Negative / Substyle

12. Dezember 2008

Anker, Leipzig

Im Dezember 2008 verschlug es Negative nur noch zu Fünft wieder nach Deutschland. Gitarrist und Mädchenschwarm Sir Christus hatte im Januar die Band verlassen und dies war auch bei den Konzerten zu spüren. Deutlich weniger kreischende, pink gekleidete junge Damen, dafür mehr Männer im Publikum. Wir waren bei den beiden Shows in Sachsen dabei und hatten zusätzlich in Dresden noch ein Interview mit Jonne, dem Sänger der Band.

Los ging es bei beiden Locations etwa zehn Minuten früher als geplant gegen 20:20 Uhr mit Substyle. Anders als erwartet, sollte statt einer finnischen diesmal eine deutsche Vorband den Fans ordentlich einheizen. Die Frage, ob ihnen dies gelingen würde, war schnell geklärt. Von Anfang an begeisterte die Band mit ihrem Sound, einer Mischung aus Rock und Polka, das sächsische Publikum. Erwähnt sei an dieser Stelle besonders die aus Chemnitz stammende Drummerin Claudia, welche kurzfristig für den erkrankten bisherigen Schlagzeuger eingesprungen war und an ihrem Instrument definitiv überzeugen konnte. Für Jubel sorgte auch Heiwi, der bald seine Gitarre gegen ein Akkordeon tauschte und mit diesem die Songs Otherwise sowie Dirty Youth begleitete. Das Sextett aus Köln sorgte ordentlich für Stimmung. Nach ein wenig Werbung für den Merchandise und die CDs der Gruppe, welche es auf den Konzerten selbstverständlich billiger zu kaufen gibt als im Handel, gab es immer noch vom Akkordeon begleitet Cold Light Of Day und Gravity zu hören. Nach gut vierzig Minuten Spielzeit endete der Auftritt von Substyle mit Quarantine und es folgte die Umbaupause.

Circa 21:30 Uhr betraten Negative ohne Intro die Bühne. Sänger Jonne stimmte stattdessen mit der Akustikgitarre in der Hand My My/Hey Hey (Out Of The Blue) an und wurde später vom Rest der Band begleitet, was den Song wieder in seinem gewohnt rockigen Gewand erscheinen ließ. Das Publikum war von der ersten Minute an völlig aus dem Häuschen und rockte mit. Devil On My Shoulder, In My Heaven sowie Lust’n’Needs schlossen sich an. Jonne heizte in gewohnter Manier den Fans ein. Die Bühnenpräsenz des eigentlich schüchternen Finnen ist einfach unglaublich. Der Rest der Band konnte an seinen Instrumenten voll überzeugen. Besonders klasse war das Keyboardspiel von Mr. Snack, welches bei früheren Negative-Konzerten meist ein wenig unterging. Man merkte, dass der Band ein Mann fehlte und sie die Songs etwas anders arrangieren mussten. Doch Kritik bedarf es an dieser Stelle keiner. Ganz im Gegenteil. Die Jungs haben sich weiter gesteigert und sind definitiv noch rockiger geworden. Bei The Moment Of Our Love, dem fünften Song des Abends, gab es im Zwischenteil statt den üblichen „Love is right now“-Chören aus dem Publikum, diesmal einen Texteinschub aus einem Queen-Song durch Jonne Aaron. Nach Sealed stimmte die Band Another Brick in the Wall von Pink Floyd an und die Fans sangen begeistert die Zeilen „We don’t need no education…“ mit. Schnell ging das Lied in Giving Up über, woraufhin Pink Floyds Wish You Were Here akustisch und An Ornament, wieder von allen Instrumenten begleitet, folgten. Spielte man in Leipzig als Nächstes noch als Special After All, freuten sich die Dresdner Konzertbesucher an dieser Stelle über Fading Yourself. Nachdem Jonne nun ein wenig Werbung für den Bandmerchandise gemacht hatte, den es bei „diesem verdammt attraktiven Typen Topi“ zu kaufen gab, wurde mit Naive kräftig weiter gerockt. Anschließend bekamen wir mit Frozen To Lose It All ein kleines „Heilmittel gegen unseren Kater“ und feierten dann zu Motherfucker (Just Like You) weiter ab. „Are you ready or not?“ schrie Jonne daraufhin ins Mikrofon und jeder wusste, jetzt kommt Planet Of The Sun. Präsentierte der blonde Sänger uns im Anker zum folgenden Zeitpunkt noch seine neu gekauften goldenen Schuhe und stellte sich als „Santas Little Helper From Hell“ vor, leitete er im Beatpol mit seinem besonderen Humor und dem Satz „This is not one last drink, it’s one last shot.“ den nächsten Song One Last Shot ein. Als Highlight für die weiblichen Fans bekam Lockenköpfchen Larry Love am Ende des Liedes von Jonne im Beatpol einen ordentlichen Kuss mit dem netten Zusatz: „So schmeckt Larry Love.“ und „Ich habe mir heute nicht die Zähne geputzt.“. Lecker! Vorerst war nun Schluss und die Band verließ die Bühne. Laute „Let’s fuck!“- und „Zugabe“-Rufe erfüllten die Räumlichkeiten. Keyboarder Mr. Snack und Gitarrist Larry kehrten als Erstes zurück und boten eine interessante Akustikversion von Angels Won’t Lie dar. Dann betrat auch der Rest der Band noch einmal die Bühne. In Leipzig bildete nun Misery, in Dresden hingegen Glory Of The Shame die nächste Zugabe. Nach Until You’re Mine verabschiedeten sich die Fünf mit Won’t Let Go endgültig von den tobenden Fans. Rosen gab es diesmal keine, dafür aber die gewohnte Verbeugung zum Schluss und mit Edith Piafs Je Ne Regrette Rien ein hübsches Outro. Kurz nach 23:00 Uhr war alles vorbei.
Eins sei mal noch angemerkt. War der Bühnenaufbau im Anker in Leipzig noch ziemlich ungünstig, da man Keyboarder Mr. Snack und Drummer Jay Slammer kaum sehen konnte, gab es in diesem Punkt im Dresdner Beatpol rein gar nichts zu meckern. Perfekte Sicht auf die Band. Mehr kann man nicht verlangen. Der Rest bedarf ohnehin keiner weiteren Worte. Negative haben einfach gerockt wie die Hölle und sind live immer wieder sehenswert.

koeh

 

 

12.12.2008

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