Interview

chILL (Jouni Rantanen)

chILLs EP „In Your Spine“ haben wir euch ja in der letzten Ausgabe bereits vorgestellt. Dieses Mal meldet sich der Sänger der Band, Jouni Rantanen für euch zu Wort:

 

Mein Name ist Jouni Rantanen und ich singe die Lead Vocals in der Finnischen Band chILL. Es ist ziemlich schwierig, eine kurze Beschreibung von chILLs musikalischem Stil zu geben, aber wir mischen gern Grunge-beeinflussten Rock auf leicht progressive Weise mit modernem Metal. Man muss es wirklich selber hören und sich eine eigene Meinung darüber bilden. Wir haben ein paar EPs und ein full-length Album mit dem Titel „Controlled Chaos“ veröffentlicht und bewerben jetzt unser bevorstehendes zweites Album mit der kostenlosen Zwei-Track-Single „In Your Spine“. Das Artwork und die Songs können auf der offiziellen Website der Band kostenlos heruntergeladen werden: www.chillinyourspine.com

Wie sah dein erster Kontakt zur Musik aus und welche sind deine wichtigsten Einflüsse?

Der erste Künstler, den zu hören ich mich erinnern kann, war Michael Jackson, als ich sieben Jahre alt war oder so, aber Musik war mir eigentlich noch nicht so wichtig, bis ich vierzehn war und Nirvanas Song „Rape me“ und das Album „In utero“ zum ersten Mal hörte. Das hat mich so erwischt, dass sich plötzlich alles veränderte. Es war etwas, das ich nie zuvor gehört hatte und es hat mich einfach völlig weggeblasen.
Irgendwie wusste ich jetzt, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Tatsächlich war es Miska, chILL’s Gitarrist, der mir Nirvana nahebrachte. Wir waren beste Freunde von Kindesbeinen an und begannen beide etwa zur gleichen Zeit damit, Gitarre zu spielen, aber wir hatten immer unsere eigenen musikalischen Projekte, weil wir beide der nächste Kurt Cobain werden wollten, und da kann es nur einen geben!
Selbstverständlich hatten aber auch andere Grunge-Bands dieser Zeit einen großen Einfluss und haben ihn noch immer.
Die nächste große Sache für mich waren KoRn – wieder etwas von dem, was ich zuvor hörte, vollkommen verschiedenes und einfach wirklich merkwürdig. Für mich war es irgendwie ein logischer Übergang, vom Grunge zum Nu Metal. Ich hatte immer gedacht, Metal wäre etwas zu Testosteron-geschwängertes, etwas zu ernsthaftes oder engstirniges, aber nun war es plötzlich etwas Interessantes und Neues für mich und ich begann mich mehr für Metal zu begeistern. Zu dieser Zeit entwickelte ich auch ein Interesse in Richtung Hip Hop (aus den naheliegenden Gründen). Marilyn Mansons Album „Anti-Christ Superstar“ war ebenfalls ein riesiger Einfluss, vor allem lyrisch. Heutzutage versuche ich so ziemlich, jede Art von Musik zu hören und mich ebenso davon auch inspirieren zu lassen. Wenn ein Song gut ist, ist es egal, in welche Kategorie ihn jemand eingeordnet hat.

Woher kommt der Bandname, chILL?

Es ist dieses Gefühl, das das Haar in deinem Nacken sich aufrichten lässt und das kalte Schauer deinen Rücken hinab sendet, und natürlich haben auch die kalten Bedingungen Finnlands etwas mit Namenswahl zu tun.

 

Wie habt ihr euch als Band gefunden?

Das erste Line-up der Band entstand ´95, mit mir für Gitarre und Gesang, Eero (chILL’s Gitarrist) am Bass und Tomi Rantakangas (chILL’s ehemaliger Drummer) am Schlagzeug. Wir waren fünfzehn und keiner von uns wusste wirklich, wie unsere Instrumente zu spielen waren, aber wir begannen einfach zu spielen und Songs zu schreiben. Das war sehr düsterer Grunge mit eindeutiger Punk-Attitüde. Zu diesem Zeitpunkt nannten wir uns noch „hateburn“. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann genau wir unseren Namen in chILL änderten, aber unser erster Auftritt war bei einem regionalen Band Contest ´97, den wir gewannen! Unsere Musik hatte einen Schritt in einen härteren, KoRn-beeinflussten Sound gemacht und das hat jeden einfach weggeblasen, weil in Finnland niemand etwas wie das zuvor gehört oder gesehen hatte … zumindest noch nicht.

Zu diesem Zeitpunkt sah das Line-up wie folgt aus: ich war der Sänger, Eero Gitarrist, Tomi Schlagzeuger und mein sehr guter Freund aus Kindertagen Jussi Helminen war Bassist. Schon bald nach dem Contest kam ein anderer alter Freund in die Gruppe, Miska. Er kam an die zweite Gitarre, was dem Sound der Band sehr viel mehr Melodie einbrachte. Wir spielten hier und dort kleine Shows und nahmen erfolgreich an ein paar Band Contests teil, bis wir 2000 endlich unsere erste offizielle Demo, „chILL“, in einem „echten“ Studio aufnahmen. Dieser vertraute, KoRn-beeinflusste Sound ist auf dieser ersten Demo noch immer deutlich erkennbar. Bald nach der Demo begannen wir langsam, Aufnahmetechnik anzuschaffen, Material aufzunehmen, und 2002 veröffentlichten wir eine EP mit dem Titel „The Brighter The Nights“. Die EP könnte man beschreiben als melodischen Rap Metal, dem einige elektronische Elemente hinzugefügt wurden.  2004, während wir die EP „What counts“ aufnahmen, mussten wir unseren Drummer und guten Freund Tomi gehen lassen (eines der härtesten Dinge, die wir je tun mussten), der von Miskas kleinem Bruder, Mika, ersetzt wurde. Er war zwar sehr viel jünger als der Rest von uns, aber bereits ein Profi und brachte eine absolut einzigartige Art zu spielen mir. Auf der von der Kritik gefeierten „What counts“ waren drei eingängige und melodische Hard Rock / Metal / Punk Songs .

2006 gab unser Bassist und langjähriger Freund Jussi bekannt, dass er einfach nicht mehr genügend Zeit für die Band hat… Irgendwie hatte ich das kommen sehen und so trennten wir uns in vollkommenem Verständnis und ohne Groll, und sind immer noch beste Freunde. Nachdem wir ein paar Bassisten ausprobiert hatten, fanden wir direkt den Perfekten für uns, Helend Jantsikene, der in der lokalen Musikszene ein bekanntes Gesicht war. „Hellu brachte einigen sehr benötigten Enthusiasmus und neue kreative Kraft in die Band. Hellus backing vocals waren ebenfalls ein willkommenes Extra für chILLs Sound. Es hat sofort „Klick“ gemacht, lagen auf der gleichen Wellenlänge, und das jetzt endlich perfekte Line-up war ein neuer Anfang für chILL…
Wir ertappten uns dabei, viel härter zu üben und SEHR viel mehr Shows zu spielen als zuvor. Alles in allem war es 2000 bis 2006 ziemlich ruhig, fast schon still, um chILL, aber nun war es an der Zeit, die Stille mit einer Explosion aufzubrechen. Es war an der Zeit, aktiv zu werden und echte Anstrengung in unsere Kunst zu stecken. Wir waren es vor langer Zeit Leid geworden, an die Türen der Plattenlabels zu klopfen, also war es auch an der Zeit, selbst die Weichen zu stellen. Wir begannen zu komponieren und Material für unser Debütalbum „Controlled chaos“ aufzunehmen, was wir letzten Endes im Jahr 2008 über unser eigenes Label, „Twisted Entertainment“, veröffentlichten. chILLs zweites Album ist im Moment in der Vorproduktion.

Wie sieht das Songwriting bei euch aus: Gibt es da ein bestimmtes Schema, nach dem Songs entstehen?

Es gibt keinen bestimmten Weg, auf dem ein Song von chill entsteht. Jeder schreibt Riffs, Rhythmen und Melodien und wir werfen bei den Proben die Ideen einfach hin und her. Manchmal baut ein Song auf einem einzelnen Killer-Riff auf, ein andermal haben wir eine beinahe fertige Struktur für den Song, mit der wir dann herumspielen und der wir Dinge hinzufügen. Einige der besten Sachen sind pure Zufälle. Die Songs entwickeln sich dauernd und keiner ist wirklich fertig bis zu dem Zeitpunkt, da er aufgenommen wird. Ich kümmere mich um die textliche und gesangliche Seite der Songs und schreibe viele Refrains für chILL mit einer Akustikgitarre.

Woher nimmst du deine Inspiration?

Textlich gesehen kann ich Inspiration und Ideen von beinahe allem und überall her beziehen. Ich notiere mir ständig Gedanken und Songideen in mein Handy. Viele Dinge, über die ich mit meinen Freunden spreche können genauso gut in einem Song landen wie etwas, das ich in den Nachrichten gesehen habe oder selbst in meinen Träumen. Sachen, die mir sehr am Herzen liegen und Dinge, die mich auf eine Weise berühren, dass ich das Gefühl bekomme, über sie schreiben zu müssen. Es ist nicht gerade schwer, in dieser kaputten Welt Dinge zu finden, über die man schreiben kann; man muss nur die Augen und Ohren offen halten.

 

apae

 

13.06.2010


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