Interview

Nightwish (Tuomas Holopainen)

Auszüge aus einem Telefoninterview mit Tuomas Holopainen von Nightwish:

Gibt es einen bestimmten Grund dafür, drei Versionen der “Amaranth” Maxi zu veröffentlichen, und worin unterscheiden sie sich?
Ich habe keine Ahnung, welche Unterschiede es gibt. Ich denke, es wird einige verschiedene Bonustracks und so weiter geben, ein paar unterschiedliche Versionen, Remixes oder irgend so etwas. Und [lacht] der Grund dafür wird die zeitgenössische Labelpolitik sein. Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht.

Ich habe mal gelesen, dass du Disneyfilme magst – was ist dein Lieblingsfilm?
Cool! Ja, ich bin ein riesiger Fan, schon immer. Ich sammle sie sogar. Also… es ist einfach unmöglich, nur einen zu nennen, aber ich würde sagen, der originale “Fantasia” von 1940, “Dornröschen” und “Die Schöne und das Biest”.

Kannst du dir vorstellen, so etwas wie eine Metal Oper zu schaffen, wie zum Beispiel bei Ayreon oder Avantasia – ein Projekt mit vielen verschiedenen Künstlern?
Na ja, das ist jetzt keine unmögliche Idee, aber bis jetzt hatte ich nie den Drang, das zu tun, denn mehr als alles andere sind wir eine Band. Nightwish ist eine Band, und ich möchte, dass das genau so bleibt. Und es gibt auch keinen Grund, irgendetwas anderes zu machen, vor allem nicht im Moment, denn mit dieser Band kann ich allen musikalischen Ambitionen nachgehen, die ich habe. Aber natürlich soll man sich ja alle Optionen offen halten (Englisch: always keep the options open), und niemand kann sagen, was in zehn oder zwanzig Jahren sein wird. Aber im Moment bin ich wirklich, wirklich glücklich mit genau dieser Band.

Gibt es noch andere Dinge, unerfüllte Wünsche oder Ziele, die du im Leben gern erreichen möchtest, mit Nightwish, oder auch persönliche Träume, deren Erfüllung du dir wünscht?
Oh, ja, natürlich, schließlich dreht sich das ganze Leben ja um Träume (Englisch: life is all about dreaming) und darum, alles in deiner Macht stehende zu tun, um diese Träume wahr werden zu lassen. Ich denke, das ist das Wesentliche im Leben, also ja, es gibt da eine Menge Dinge. Ich bin noch immer auf der Suche nach dem perfekten Album, dem perfekten Song, der perfekten Show. Einer dieser konkreten Träume, die ich habe, ist es, eine richtig große Show mit Nightwish zu spielen, mit komplettem Orchester, Chor und Tänzern, mit Effekten und allem. Etwas Unvergessliches. Das ist sogar etwas, das vielleicht möglich sein wird, irgendwann in Zukunft natürlich. Und was das Leben außerhalb der Musik betrifft, da wünscht man sich natürlich immer das eigene Haus, mit eigenem kleinen Garten und eigener kleiner Familie und allem Drum und Dran, also [lacht], das ist es eben.

Haben außergewöhnliche Ereignisse, ob gut oder schlecht, dein Songwriting beeinflusst?
Absolut. Songs zu schreiben heißt für mich, mehr als alles andere, ein Tagebuch meines eigenen Lebens zu schreiben. Wenn ich die Lyrics schreibe, bin ich immer ziemlich selbstsüchtig. Das ist, sozusagen, die Dämonen aus meinem eigenen Kopf heraus bekommen. Der einzige Weg, mit dem täglichen Leben klarzukommen ist es, diese Songs zu schreiben. Alle wirklich guten und alle wirklich schlimmen Dinge, die mir widerfahren, fühle ich sehr stark und all diese Gefühle finden Einzug in die Texte. Und, ich glaube, mehr als jemals zuvor, kann man das auf dem neuen Album hören.

Hast du dir jemals gewünscht, einfach alles hinzuschmeißen?
Ja, da gab es einen Zeitpunkt, ich glaube Ende 2000 oder 2001 oder so, ich kann mich nicht erinnern. Ich hatte diesen kleinen [zögert] Ausbruch, für ungefähr eine Woche, da wollte ich einfach alles hinschmeißen, aber dann kam ich zur Vernunft und jetzt ist alles super. Das war nur vorübergehend, zu viel Arbeit. Wenn ich auf das Gesamtbild schaue, dann nein, niemals.

Wenn du nicht auf Tour oder im Studio bist, triffst du dich häufig mit den anderen Bandmitgliedern, um Zeit miteinander zu verbringen?
[lacht] Ja, das tun wir tatsächlich, ich meine, diese Leute sind meine besten Freunde. Wir treffen uns so oft es geht, aber das Problem ist, dass wir alle in verschiedenen Städten hier in Finnland leben. Emppu [Vuorinen, Anm.d.Red.] lebt 400 km von mir entfernt, wir können uns also nicht jeden Tag sehen. Aber wir sind die besten Freunde, auch außerhalb der Band. 

Lassen wir die Musik mal beiseite: Hast du irgendwelche Hobbies?
Hm… Ich gehe gern wandern, das ist eines meiner wichtigsten Hobbies. In Lappland oder wo auch immer. Einfach einen Rucksack nehmen und für eine Woche in die Wälder gehen, und laufen bis du [lacht] kurz vorm Zusammenbruch bist. Das ist wirklich wichtig für mich. Und Disney, das habe ich ja schon erwähnt: ich sammle diese Disney Memorabilien, das ist auch so eine Art Rettungsleine für mich. Und dann noch Filme, Bücher, Freunde, in Bars gehen – eben all dieses normale Zeug.

Wie kann man sich einen Tag in deinem Leben vorstellen?
Oh, das hängt definitiv von dem Tag ab. [lacht] Wenn ich auf Tour bin, sieht es ungefähr so aus: aufwachen im Bus, zum Veranstaltungsort gehen, Frühstücken, dann zum Soundcheck, ein paar Interviews, dann einfach nur warten, warten, warten, warten, warten, nichts tun, dann am Abend ist die Show, danach spannt man einfach nur aus, geht zurück zum Bus, trinkt ein paar Bier, geht schlafen und wacht am nächsten Tag wieder genauso auf. So sieht ein normaler Tag auf Tour aus. Und dann, wenn ich zuhause bin, bin ich allein in meinem Haus, stehe ziemlich spät auf, trinke zwei Liter Kaffee, und gehe nach draußen, um herumzulaufen, ein paar Freunde zu treffen, einen Film zu sehen… Wirklich ganz normales, alltägliches Zeug.

Stell dir vor, du könntest die Zeit zurückdrehen. Nach so vielen Jahren mit Nightwish, gibt es da Entscheidungen, die du gern ändern würdest?
Keine einzige. Ich meine, in all den Jahren wurden viele Fehler gemacht, und manche Sachen hätte man anders machen können, aber meine Art zu denken, ist, dass der einzige Weg, im Leben etwas zu lernen, es ist, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen. All die Entscheidungen, die man fällt, machen einen zu dem, der man ist und es ist einfach unmöglich, fortzuleben ohne diese Urteile und Fehler und all das. Ich denke, es gibt keinen Grund, irgendetwas zu ändern. Und ich bereue auch definitiv nichts.

Gibt es engere Verbindungen zu anderen finnischen Bands und wie ist das Verhältnis – gibt es Freundschaften, ist es neutral, oder gibt es Rivalitäten?
Das Witzige daran ist, dass, obwohl die Finnen wirklich sehr neidisch sind - das scheint ein grundlegender Charakterzug zu sein - wir immer neidisch sind auf das neue Auto des Nachbarn und so weiter - ich trotzdem keinerlei Rivalität zwischen den finnischen Metalbands bemerkt habe. Ich meine, diese bands sind ebenfalls sehr gute Freunde von mir, wie zum Beispiel die Jungs von Sonata Arctica oder Children. Wir sind die besten Kumpels und gehen immer mal zusammen weg, um etwas Spaß zu haben. Da gibt es nicht das kleinste bisschen Rivalität, das ich bemerkt hätte. Es ist einfach so, dass wir einander unterstützen, und wenn eine andere Band erfolgreich ist, dann freue ich mich: Daumen hoch, "go for it". das ist eine gute Sache.

mica, glau, apae

 

01.09.2007

rechts