Interview

Negative (Jonne Aaron)

Stell dich bitte einmal unseren Lesern vor.
[Jonne überlegt kurz.] Ich bin ein fünf­und­zwanzig­jähriger Mann aus Finnland und ich gehöre zu einer Band namens Negative. Ich schreibe den Groß­­­­t­­eil der Songs und ich bin verantwortlich für den Gesang in der Band. Und ich komme aus Tampere, Finnland. Und ich bin ein sehr netter Kerl letzten Endes. Ich bin ein bisschen schüchtern, wie ihr wisst, aber nachdem man mich besser kennen gelernt hat, ist am Ende alles in Ordnung. [Er feixt kurz.]
Aber wieso bist du Musiker, wenn du schüchtern bist?

Das ist eine wirklich seltsame Kombination. Ich habe mich das selbst auch gefragt. Ich weiß nicht. Irgendwie bin ich am Ende bei der Musik gelandet.

Wann hast du mit dem Musik machen angefangen?
Mit Zwölf bekam ich meine erste Akustikgitarre. Seitdem habe ich sehr früh angefangen meine eigenen Songs zu schaffen. Und ich habe festgestellt, dass ich kein so guter Gitarrist sein werde. Ich habe bald bemerkt, dass die Gitarre ein gutes Instrument ist um neue Songs zu gestalten. Also das ist meine Stärke. [Jonne legt eine Sprechpause ein.] Aber mit Vierzehn hatte ich die Idee eine Band zu gründen, die Negative heißt. Also bin ich schon eine Weile dabei, obwohl ich immer noch jung bin oder ich habe alles dafür getan, was notwendig war. Ihr wisst schon, was ich meine.

Ihr seid seit einigen Wochen auf Tour durch Finnland und seit ein paar Tagen hier in Deutschland unterwegs. Also wie war die Tour bisher?
Es war gut. Es war großartig. Ich denke, eine der besten. Ich meine, es ist die Beste bisher. Es ist wirklich schön. Die Shows waren großartig, alles war großartig, die Band ist großartig, all die Leute…Es ist gut. Wir haben eine sehr gute Crew im Moment, die Leute, die um uns herum sind…Alles ist in Ordnung.

In welchen Ländern, in denen ihr bisher noch nicht gespielt habt, möchtet ihr unbedingt einmal auftreten?
In den Staaten sowie in Großbritannien und Nordirland. Unbedingt. Wir sind dort noch nie gewesen. Ich meine, wir waren in Mexiko vor einigen Wochen, aber ich würde liebend gern eine Show in L.A. geben.
Warum L.A.?
Weil die meisten meiner Helden von dort stammen. Ihr wisst schon, Guns’n’Roses. Das wäre das Einzige, das Größte für mich. Aber üblicherweise macht es nicht der Ort aus, es ist immer ein und dieselbe Art und Weise, wie du deine Shows spielst.

Gibt es Bands mit denen ihr eines Tages gern auf Tour gehen würdet?
[Jonne überlegt einen Augenblick.] Aerosmith … Rolling Stones … Guns’n’Roses … wären toll. Ich weiß nicht, es gibt zu viele.

Was war die letzte CD, die du dir gekauft hast?
Vesa-Matti Loiri – Kasari. Er ist ein finnischer Schauspieler und Sänger, Vesa-Matti Loiri. Das ist eine sehr gute. Ich habe sie am Flughafen in Helsinki gekauft, die CD.

Gibt es irgendwelche Träume oder unerfüllte Wünsche, die du gerne wahr haben möchtest?
Natürlich. Ohne Träume wäre das Leben langweilig.
Welche sind das?
[Jonne überlegt.] Es hat etwas mit der Band zu tun, meine Träume. Aber im Jahr 2008 noch Negative anzugehören, ist wie ein wahr gewordener Traum für mich. Und es gibt immer noch viele Dinge zu tun. Es scheint, je mehr Erfolg du hast, desto hungriger wirst du. Es ist eine niemals endende Parade. [Anmerkung der Redaktion: Die Originalantwort war: „It’s a Neverending Parade.“ Weist da etwa jemand auf einen seiner Songs hin?]

Was ist die außergewöhnlichste Frage, die dir jemals gestellt wurde?
[Jonne überlegt wieder.] Ich denke, alle davon. [kichert]

Und die Dümmste?
Wahrscheinlich die, die du gerade eben gestellt hast. Vor dieser.
Wann? Die Frage nach der außergewöhnlichsten Frage?
Ja, ja…
[Anmerkung der Redaktion: Dann wollen wir doch jetzt mit einer hoffentlich sinnvolleren Frage fortfahren.]

Was magst du an dir selbst am meisten?
Ich denke und sehe die Dinge gerne in einer positiven Art und Weise. [Lautes Geschirrklappen im Hintergrund.] Ich glaube, heutzutage (bin ich) geduldig, wahrscheinlich. Ich habe das ein kleines bisschen gelernt.
[Wir fragen Jonne nun nach seiner schlechtesten Angewohnheit, was er wohl gekonnt überhört. Anstatt darauf zu antworten, berichtet er uns weiter von seinen guten Eigenschaften.]
Ich nehme mir Stress nicht so an, kleine Dinge.
[Wir versuchen nun das Thema zu wechseln und ihm die nächste Frage zu stellen, aber ihm fällt immer noch etwas ein.]
Und eine gewisse Art Humor. Wir haben alle unseren eigenen. Aber ich mag es. Ich habe Spaß mit mir. [Jonne kichert.] Oft, ja.
Das ist gut. Es wäre traurig, wenn es nicht so wäre.
[Er murmelt zustimmend. Scheinbar können wir nun fortfahren.]
Gut. Kannst du bitte die folgenden Sätze vervollständigen? Der erste Satz: Das Erste, was ich heute Morgen dachte, war…
[Jonne überlegt kurz.] Ich werde zu spät kommen, zum Soundcheck. [Jetzt erfüllen andere Geräusche den Raum. Jonne spricht einfach weiter.] Ich werde der Letzte sein, der aufsteht. Ich war es und Antti war es. Die Letzten, die aufgestanden sind.
Deshalb frühstückst du so spät?
Mmmmh. Ähm…ähm…normalerweise bin ich der Letzte, der aufwacht. Oder Antti. Dieses Mal war es Antti. [Anmerkung der Redaktion: Bassist Antti Anatomy hatte ebenfalls mit bei uns Platz genommen um zu frühstücken.]


Wenn ich für einen Tag eine völlig andere Person sein könnte, wäre ich…
Kylie Minoque.
Warum?
Ich würde gern wissen…[Es folgt kurz unverständliches Gemurmel.] Rasiert sie sich ihren Intimbereich? [Jonne feixt.]
So, so. Dann wird die nächste Frage sicher gut sein.

Wenn ich für einen Tage eine Frau wäre, würde ich…
Ihr wisst schon. [Wir müssen alle lachen.]
Sex haben und masturbieren. Ich würde gern wissen, wie es sich für eine Frau anfühlt. Ihr wisst schon. Nach diesem Tag wäre ich ein viel besserer Liebhaber. [Jonne lacht.] Also warum nicht?

Wenn ich wüsste, dass morgen die Apokalypse wäre, würde ich…
Mmmmmh. [Er räuspert sich und denkt einen Moment lang nach.] Ich weiß nicht. [Jonne überlegt weiter.] Ich würde unsere Show spielen heute Abend, danach sturzbesoffen sein und wahrscheinlich so viel Sex haben, wie ich könnte. Das ist alles, was ein Mann tun muss. Am Ende. Was sonst noch? Einfach nur warten auf diesen Feuersturm. [Jonne kichert.] Ich würde wahrscheinlich etwas mit einem Mann ausprobieren. In allen Positionen, die ich schon immer ausprobieren wollte. [Er lacht. Wir versuchen inzwischen die nächste Frage zu stellen, doch Jonne unterbricht uns.] Oder ich würde mir eine Rakete mieten und mich wegblasen…mit einem hübschen Mädchen. [Er schmunzelt.]

Das ist eine nette Idee. Die nächste Frage. Was ich meinen Bandkollegen schon immer sagen wollte, ist…
Wie verrückt wir sind. Wir sind immer noch da. [Jonne schmunzelt wieder.] Ich meine, wir sind am Ende die wahren Gewinner. Es scheint so als ob alle unsere Freunde, die meisten unserer Freunde, anfangen Familien zu gründen und sie kaufen ein hübsches Haus und solche Dinge und bekommen viele Babys. Aber wir haben immer noch diese Band und es ist irgendwie verrückt. Wir sind besessen davon für die Leute Musik zu machen. Und der beste Teil ist es definitiv auf Tour zu sein. Es scheint so als würde es jeder genießen. Das ist schön.
Du kannst dir nicht vorstellen beides zu tun? Eine Familie zu haben und…
[Jonne unterbricht gleich.] Nein, eigentlich habe ich ein wenig Angst davor. Im Moment fühlt es sich nicht so an als wäre ich bereit dafür, denn die meiste Zeit denke ich an etwas, das mit Negative zu tun hat. Ihr wisst schon, was ich meine. Es ist wie ein ewiger Prozess. Und ich kann geradeso auf mich selbst aufpassen. Ich lerne das immer noch. Also wie verdammt noch mal, sollte ich fähig sein auf so etwas Kleines aufzupassen? [Er kichert kurz und brabbelt etwas auf Finnisch.] Ich finde, man sollte zuerst lernen auf sich selbst aufzupassen. Denn ich hatte eine unausgeglichene Kindheit. Nicht Kindheit, Teenagerjahre. Und ich möchte nicht die gleichen Fehler wiederholen, die wahr­scheinlich meine Eltern gemacht haben in den vergangenen Jahren. Ich möchte ein guter Vater sein.
Okay, du bist wenigstens ehrlich. Das ist gut.
Aber es scheint so, als wäre es nicht mein Fall im Moment, obwohl ich Babys mag. Aber überlassen wir das The Rasmus. Ich glaube, sie bekommen alle Babys und gründen eine Familie und so. Aber wir werden sehen. [Jonne überlegt.] Ich versuche her­aus­zufinden, wer der Erste sein wird, der eines bekommt.
Wirst du es uns verraten?
Nein, ich weiß nicht. Ich glaube, unser Drummer. Er hat bereits welche überall auf der Welt. Er war sehr fleißig mit seinem …, na ihr wisst schon. Und er benutzt keine Regenmäntel. [Ein Lachen geht durch die Runde. Wechseln wir besser das Thema.]

Die letzte Frage. Was ich unseren Fans schon immer sagen wollte, ist…
[Jonne überlegt, lacht und überlegt dann weiter.] Wie dankbar ich bin, sehr dankbar, wirklich. Es ist schön, dass die Leute über Negative reden mit ihren Freunden und Nachbarn und es tut gut, positive Resonanz zu bekommen. Ich möchte ihnen für ihre Unterstützung danken. Es ist schön. Es ist wirklich schön, dass die Leute geduldig sind und sie wirklich glauben. Und sie haben bereits bewiesen, dass es da draußen immer noch Leute gibt, die noch von der alten Garde sind. Sie schätzen Livemusik und solche Dinge wirklich. Also es ist wirklich gut. Denn wir werden noch eine Weile präsent bleiben, glaube ich. Wir wollen wie die Rolling Stones sein. Also werden wir nach fünfzig Jahren noch hier sein und euch immer noch belästigen. Wir werden in eueren Albträumen sein. [Er schmunzelt und überlegt kurz. Dann fährt er fort.]
Aber immer noch zu den Babys. [Anmerkung der Redaktion: Dieses Thema scheint Jonne wirklich zu beschäftigen.] Ich muss sagen, eines Tages, ja. Wenn ich dazu fähig bin, welche zu bekommen, denn ich habe so enge Hosen getragen in den letzten fünf, sechs Jahren. [Jonne steht auf und zeigt uns seine wirklich engen Hosen.] Und ich glaube, dass mein Sperma…es ist nicht…Ihr wisst schon. Die Dinge funktionieren am Ende nicht wegen dieser wirklich engen Hosen. [Jonne setzt sich wieder, nachdem er uns das Problem noch einmal verdeutlicht hat.] Also habe ich meine Zukunft geopfert als Vater für den Rock’n’ Roll. [Er lacht.] Und für unsere Fans, für die Hörer von Negative. [Jonne lacht wieder.]

mica, koeh

 

02.03.2009

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