Interview

The 69 Eyes (Jyrki Linnankivi)

Stell dich einfach erstmal kurz vor.
Ich bin Jyrki von The 69 Eyes, und ich bin der Sänger der Band.

Euer neues Album ist für September geplant…
Oh ja, nun… Wir touren hier gerade in Deutschland und ein paar anderen Ländern, mit Tiamat und Ava Inferi. Das ist für uns ein bisschen eine Flucht aus dem Studio. Wir haben schon ein bisschen mit der Aufnahme der nächsten Platte begonnen, aber direkt nach dieser Tour gehen wir nach L.A., Los Angeles, um das Album aufzunehmen, das dann im September herauskommen wird.
Wir haben Matt Hyde als Produzenten gefunden, der früher Bands wie Monster Magnet und Slayer und Ähnliches produziert hat. Wir haben ihn kennen gelernt und es stellte sich als eine großartige Wahl – als Produzent – heraus. Er wurde zu einem wirklich guten Freund, seine ersten Worte waren „ich werde das neue Bandmitglied sein“, eben weil er das Album produzieren wird, und das ist eine tolle Einstellung. Wir sind zwar jetzt gerade auf Tour, aber wir kommen in eine Rock’n’Roll-Stimmung dabei und gehen danach direkt ins Studio, also denke ich, die Platte wird diesmal richtig rockig.
Etwas, das Matt Hyde außerdem für das Album von uns wollte, war, eine Goth’n’Roll-Scheibe zu machen. Denn das ist es, was wir am Besten können. Und er wollte ein The 69 Eyes –Album machen, es wird also wie ein The 69 Eyes –Album klingen, aber es wird richtig hart rocken. Ich bin also schon wirklich enthusiastisch. Es wird richtig, richtig cool.
Diese Tour jetzt ist eher von der Art, ein Best Of The 69 Eyes zu spielen, und auch ein paar weniger bekannte Songs.

Mit den Aufnahmen habt ihr schon begonnen?
Wir haben mit ihm eine Vorproduktion in Helsinki gemacht.
Habt ihr mit einem der Songs Probleme, gibt es einen, der schwierig zu spielen ist?
Nun, wir proben tatsächlich ein paar Songs bereits im Soundcheck, aber wir werden sie nicht auf der Tour spielen, denke ich. Ich weiß nicht, schauen wir mal. Wir haben einen gerade eben beim Soundcheck gespielt, und ich habe die anderen Jungs gefragt, ob wir ihn nicht ins Set aufnehmen sollten, aber mal sehen, was auf der Tour passiert. Aber zumindest nicht heute Abend. Leider. Aber ich bin sehr versucht, sie auszuprobieren. Sie sind wirklich cool, cooles Zeug. Ich bin absolut begeistert von ihnen.

Wie sieht das Songwriting bei euch aus - habt ihr eine feste Hierarchie oder so etwas?
Unser Gitarrist Bazie schreibt die Songs, heutzutage meistens zuhause und gibt mir Demos, die ich mir anhöre und dann, ja, entwickle ich die Gesangsmelodien und die Texte; dann nehmen wir sie auf und, ja. Manche Songs funktionieren, manche nicht. Wir nehmen zum Beispiel ein Album auf, für das wir zwölf Songs auswählen – in der Demo-Phase nehmen wir um die dreißig Songs auf und wählen die Besten aus, die, die sich gut anfühlen. Ein Album zu machen und zu planen und die Musik dafür zu schreiben beinhaltet tatsächlich auch eine Menge Sachen, die keiner zu hören bekommt. Eine Menge Arbeit wird im Prinzip umsonst gemacht, und viele Songs landen letztlich im Mülleimer. Das ist ziemlich typisch.

Wenn du eine Comicfigur wärst – welche?
Ich denke, ich bin schon eine Comicfigur. Ich meine, ich bin eine geworden. Wenn du zwanzig Jahre in einer Rock’n’Roll Band spielst, dann wirst du zweifelsohne zu einer Comicfigur. (…)
Das ist der tolle Weg, für immer jung zu bleiben – in einer Rock’n’Roll Band zu spielen.

Was machst du, wenn du dich auf Tour langweilst?
Wenn ich mich langweile? Also… vor der Tour packe ich viel, ich nehme eine Menge Zeug mit – ich habe viele Magazine und Bücher, und ich habe auch schon wieder neues Zeug gekauft. Auch ein paar Filme, die ich sehen möchte und  all sowas packe ich mit ein. Aber bis jetzt zum Beispiel – wir sind seit Sonntag auf Tour, das ist noch nicht einmal eine Woche – hatte ich noch gar nicht die Zeit, irgend etwas zu lesen oder mir einen Film anzusehen. Mal sehen, was noch kommt, aber wenn ich mich langweile, schaue ich vermutlich einen Film.

Sex, drugs und Rock’n’Roll - in welcher Reihenfolge?
Also, ganz bestimmt keine Drogen. [denkt kurz nach] Keine Drogen bitte, aber, ja, die anderen sind in Ordnung.
In keiner spezifischen Reihenfolge… [gemeint war allerdings nicht die Zeitliche…]
Na ja, wenn wir eine Show spielen, hätte ich lieber hinterher Sex, weil es mich vorher zu sehr entkräften würde. Wie bei Athleten, also… ja, man braucht die Energie für die Bühne, und ich möchte nicht erschöpft sein.
[lachen verhalten]
Du weißt, was ich meine.
[Vielleicht. Jedenfalls gingen wir weiter zur nächsten Frage…]

Du hast schon ziemlich viel gemacht – Musik, Comics, Uniabschluss, UNICEF und so weiter – das klingt ziemlich vielseitig…
Ja, aber ich bin ein alter Kerl; ich hatte vierzig Jahre Zeit, das alles zu machen. Ich bin immer neugierig zu sehen wie diese Welt so ist, es gibt also immer irgendetwas, das ich noch nicht ausprobiert habe, und ich bin demgegenüber immer offen. Letztes Jahr haben wir zum Beispiel mit dem Fernsehen zu tun gehabt, als wir nicht auf Tour waren, und es war eine coole Erfahrung, Teil einer Fernsehshow in Finnland zu sein. Es wäre interessant, in einem Film mitzuwirken; das ist etwas, auf das ich mich für ein nächstes Mal schon freue.

Beschreibe dich selbst in drei Worten.
Groß, düster und, ähm, gutaussehend.

Wenn dein Leben verfilmt werden sollte, wer müsste die Hauptrolle spielen?
Vermutlich der Sänger von Tokio Hotel. Er könnte mich ganz gut darstellen.
Okay…?
Obwohl ich denke, dass er ein bisschen kurz wäre, er ist kleiner als ich, aber – na ja, er würde Zuschauer in den Film locken.

Was meinst du ist der schönste Ort auf Erden?
[denkt länger darüber nach] In den Augen meiner Mutter. [„It’s in my mother’s eyes.“]

Welche musikalischen oder allgemeinen Pläne hast du für die Zukunft?
Ja, also wie ich sagte, fände ich es interessant, im Film mitzuwirken. Wir haben ein neues Album, und ich denke, The 69 Eyes sollten auf jeden Fall in einem Film auftauchen. Ich denke, wir planen etwas, aber wir werden sehen, was passiert.
Ich denke, was mich karrieremäßig wirklich interessiert, ist, etwas im Filmbereich zu machen. Vielleicht im Zusammenhang mit der Band, vielleicht auch bloß ich. Mal sehen. Dieses Jahr kommen noch das Album, Touren, Videos und so weiter auf uns zu, aber diese Filmsache ist etwas, auf das ich mich schon richtig begeistert freue.

Dies oder das…

Sommer oder Winter?
Winter natürlich.
Tag oder Nacht?
Mh… selbstverständlich Nacht.
Rot oder Grün?
Also, politisch bin ich grün.
Liebe oder Lust?
Liebe oder Lust… Lust natürlich, denn ohne Lust gibt es keine Liebe. Ich meine, es ist toll, verliebt zu sein, aber wenn da noch immer Lust ist, dann ist das noch besser.
Hunde oder Katzen?
Hunde oder Katzen… Katzen.
Denken oder Handeln, was zuerst?
[nachdem er noch mal nachgefragt hat, leicht verwirrt] Wie kann man sich zwischen beidem entscheiden? Nun … Denken, vermutlich.
Traum oder Wirklichkeit?
[im Brustton der Überzeugung] Traum, natürlich.
Stadt oder Stille?
Stille.
Kuscheln oder Sex? [nach einer kurzen Vokabel-bedingten Verwirrung nehmen sich die Interviewerinnen in den Arm]
Oh, du meinst Schmusen [„spooning“]. Äh … hm. [denkt länger darüber nach] Kuscheln?
Rechts oder Links?
Rechts.

Da waren wir dann am Ende mit unseren Fragen … bis auf eine:]
Trägst du immer Sonnenbrille?
Ja, manchmal. Meistens. Auf Tour natürlich immer.
Warum?
Nun ja, sie ist einfach, ja, meine Brille. Und ich sehe müde aus ohne sie, also…
Ja, aber wie viele Leute würden das schon sehen [dass er müde aussieht]?
Meine Augen? Du, gerade eben.

apae

 

02.03.2009

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