Interview

Heavenly (Olivier Lapauze)

Heavenly, die fünfköpfige Band aus Frankreich, hat vor kurzem ihr neustes Album veröffentlicht. Im Zuge dessen hatten wir ein Interview. Geplant war ein Telefonat mit Benjamin Sotto... an diesem kühlen Winterabend also wartete man gespannt in den Räumlichkeiten von Radio UNiCC auf besagten Anruf... die Zeit verging, das Essen wurde geliefert, und just in diesem Moment, fast eine halbe Stunde später kam auch der Anruf...

... allerding war die Person am anderen Ende der Leitung nicht der Sänger, sondern Olivier Lapauze, charmanter Gitarrist der Truppe...

Würdest du Dich bitte einfach mal vorstellen?
Mich oder die Band?
Ähm... beide? Wenn Du willst...

Okay (lachen). Ich bin Olivier, Gitarrist der französischen Metalband Heavenly, wir machen Speed-Melodic Metal und haben gerade unser neustes Album veröffentlicht: Carpe Diem.

Wie wäre es mit einer kurzen Bandhistory?
Ja, wir haben unser erstes Album im Jahre 2000 rausgebracht, es heißt Coming from the Sky, danach waren wir mit Stratovarius auf Tour; im Jahr drauf, 2001, kam unser nächstes Album, Sign of the Winner, danach hatten wir die Chance mit Edguy auf Europa-Tournee zu gehen. Unser drittes Album, Dust to Dust, kam 2004, und 2006 dann Virus, das vierte. Nun, und im letzten Dezember haben wir unser letztes Album rausgebracht, Carpe Diem.

Vom aktuellen mal abgesehen, hast du ein persönliches Lieblingsalbum eurerseits?
Oh, es ist schwer ein Lieblingsalbum zu finden, denn wir mögen wirklich jedes Album. Aber ich denke, dass ich ruhig sagen kann, Sign of the Winner, weil es das erste Album war, das wir wirklich alleine gemacht haben. Beim Erstling haben wir noch mit Piet Sielck von Iron Savior zusammengearbeitet, er hat die Produktion übernommen und damals viel für uns entschieden. Und auf dem zweiten Album, Sign of the Winner, ist... nun, wirklich unsere eigene Musik, und deshalb ist dieses auch unser Lieblingsalbum... mit Ausnahme des neuen.

Na dann reden wir mal über das neue:
Ja
Heavenly haben einen neuen Drummer: welcher hat die Stücke eingespielt, der frühere oder der neue?

Der neue. Auf Carpe Diem. Nachdem wir damals Virus rausgebracht hatten, spielten wir auch einige Gigs in Frankreich und Deutschland. Danach erklärte uns unser Drummer Thomas Das Neves, dass er seine Prioritäten nicht mehr in der Musik sehe, und entschied, die Band zu verlassen. Daraufhin beriefen wir einen anderen Schlagzeuger, Piwee, und er hat alles für's neue Album eingespielt. Er ist ein toller Mensch, ein guter Drummer, tolle Technik, und kann sich gut einfühlen. Alles ist echt gut gelaufen.

Es scheint auf dem Album einen starken Queen-Einfluss zu geben. War das Absicht oder ist das unbewusst geschehen?
Naja, wir sind mit Queen's Musik aufgewachsen, wir sind ganz offensichtlich von dieser Band beeinflusst, und eben diese Einflüsse sind allgegenwärtig auf dem vorigen Album... und auf dem neuen sind z.B. Farewell oder A Better Me sehr stark davon beeinflusst. Diese Lieder sind so etwas wie ein Tribut an die wohl berühmteste Rockband! Ich denke auch, dass diese beiden Tracks auch gut auf die „Night at the Opera“ von Queen gepasst hätten. Andere Dinge erinnern ebenfalls an Queen, so z.B. die Struktur der Songs, oder auch die Chöre, die wir gestaltet haben, wie Freddy Mercury es getan hat, und die Gitarre klingt ein bisschen nach Brian May. Ja, es ist offensichtlich, dass wir von dieser Band beeinflusst wurden, und ähm... wir zollen ihnen damit einfach Tribut. (...)

Bitte versteh mich nicht falsch, aber ich habe bis jetzt keinen Zusammenhang zwischen Album-Artwork und dem Inhalt gefunden. Gibt es da einen?
Zusammenhang zwischen Cover und Text, bzw. Konzept?
Ja.

Nun, ähm... auf diesem Album, Carpe Diem, der Satz stammt im Original von einem Dichter namens Horaz [Anm.d.Red. Quintus Horatius Flaccus, röm. Dichter, 65-8 v.Chr.], die exakte Sentenz ist: carpe diem, quam minimum credula postero [Anm.d.Red. Schlusszeile aus Carmina, Buch 1, Lied 11] es bedeutet in etwa : Nutze den Tag, und glaube so wenig wie möglich an den nächsten. Allerdings hat sich die Bedeutung für viele Menschen heutzutage verändert. Es heißt nicht mehr, den Tag zu nutzen sondern zu genießen, und so wenig wie möglich an die Zukunft zu denken. Es bezieht sich darauf, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und natürlich die Freuden des Geschlechtsverkehrs. Aus diesem Grund wollten wir das Album mit eben diesem Konzept herausbringen, mit eben dem falschen Konzept des Carpe Diem. Deshalb brauchten wir auch ein explizites Cover, mit züngelnden Mädchen (lachen). Das Cover ist übrigens von Derek Gores, der auch schon mit Kamelot zusammengearbeitet hat, ein großartiger Künstler, der sehr gut verstanden hat, was wir eigentlich wollten.

Auf dem aktuellen Running Wild -Tribut-Album (ReUnation) habt Ihr den Song Masquerade gespielt.
Ja
Warum dieses Lied?

Oh, ich denke dieses Lied repräsentiert die Band sehr gut. Und ich empfinde das Lied zudem auch unserem eigenen Stil sehr nah. Eigentlich hat sich Ben, der Sänger, einfach dazu entschieden, eben dieses Lied zu spielen, statt eines anderen. Er mag es wirklich gerne, und für ihn ist einfach Running Wild Masquerade. Ich weiß nicht warum, aber unser Sänger hat entschieden, dieses Lied zu nehmen.

Deine musikalische Vergangenheit: Wann hast Du angefangen, Gitarre zu spielen?
Ich habe mit dem Gitarrenspielen angefangen, als ich 10 war, ich habe auf meines Bruders Gitarre gespielt, ganz allein und selbst beigebracht. Meine erste Gitarrenstunde habe ich mit 21 genommen, glaube ich. Danach habe ich etwa ein Jahr an einer Musikschule zugebracht, aber damit habe ich schnell wieder aufgehört, denn Heavenly hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Ich lerne also jetzt selbständig und ich gebe auch Gitarrenunterricht.

Hast Du studiert oder eine Ausbildung gemacht?
Also, ich bin zwar zur Universität gegangen, aber da habe ich sehr schnell wieder aufgehört und bin zur Musikschule gegangen. (...) Musik hat jetzt für mich oberste Priorität.
Und Musik ist also Dein Hauptberuf?

Ja, ich bin Gitarrist, und Gitarrenlehrer.

Was ist das Beste daran, Musiker zu sein?
(...) Ich spiele jeden Tag Gitarre, das ist nicht wie ein Beruf, also ist es auch nie wirklich langweilig. Ich bin sehr froh, dass ich Gitarre spielen – und lehren – kann, es ist also echt... großartig, es ist ein wirklich toller Job, es ist also nie so langweilig, wie, wie jeder andere das tut, täglich zur Arbeit zu gehen. Jeden Morgen, wenn ich aufwache, denke ich, hey du hast Glück, Du wirst heute Gitarre spielen. Es ist sehr einfach, diesen Job zu machen, sofern Du eben Musik magst. Es bereitet mir immer Freude.

Wen würdest du gerne mitnehmen, wenn Du auf einer einsamen Insel strandetest?
Nun, meine Gitarre natürlich (lachen), als erstes, und dann meine Frau.
Also bist Du ein Familienmensch?

Ja. (...)

Wenn Du und Deine Kollegen Comic-Charaktere wäret, wer wärest Du dann?
Comicfigur, huu... (denkt nach) Keine Comicfigur, aber... Bart Simson.
Warum?

Ich weiß nicht, warum... Er ist so'n bisschen blöd, ich glaube, ich bin genauso.

Bitte verzeih uns das folgende Klischee... aber...
Hast Du jemals Froschschenkel gegessen?

Oh, nein, auf keinen Fall. Das mag ich nicht. Ich esse auch keinen Fisch und so... nein, und keinen Frosch. (lachen)

mica

 

01.03.2010

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