Konzertbericht

Grave Digger / Alestorm / Taletellers

19. Januar 2009

Alte Spinnerei, Glauchau

Pünktlich um 21:00 dringen die ersten Klänge des Konzerts an die zu diesem Zeitpunkt noch nicht sonderlich geneigten Ohren des Publikums. Taletellers aus dem Saarland eröffnen den Abend mit  typisch dreckigem Rock a la carte. Stilbedingt nur mäßig abwechslungsreich gehen die einzelnen Songs zwar ins Ohr, doch letztlich bleiben sie dort nicht all zu lange haften. Jener Teil des Publikums, der bereits zuhört, und nicht sein Hauptaugenmerk dem Bierausschank oder Merchandise widmet, zollt den vier Musikern jedoch den gehörigen Respekt, denn sie machen ihre Sache gut, wenn auch der Sound eher mittelmäßig – also eben Support-typisch – ausfällt. Gegen Ende des halbstündigen Sets ist auch der skeptische Teil des Publikums mit von der Partie und feiert vor allem die Klischee-Gitarren-Soli.

Kurz vor 10 Uhr beginnt dann die Show der Schotten von Alestorm, mit einem hübschen Instrumental von Band, dicht gefolgt von Wenches and Mead. Kleine Probleme mit der Keytar („Der hat sich verkabelt“ - glau) sind schnell gelöst und man fährt fort mit dem Titeltrack der gerade frisch veröffentlichten EP Leviathan. Das für den Piratensound so typische Schifferklavier klingt heute Abend elektronischer denn je und überhaupt scheint der Musik das gewisse Etwas zu fehlen, zu Beginn scheinbar lieblos daher geträllert, will der Funke auf uns einfach nicht überspringen. Doch das geht wohl nur den Wenigsten an diesem Abend so, denn das Publikum ist von Anfang an verdammt gut drauf und feiert die Schotten, wie es sich gehört. Wenn es auch so einige (wir nennen sie mal) „unhöfliche Menschen“ gibt, denen augenscheinlich jede Form von Vorband scheißegal ist und die blind nach dem Headliner rufen, doch Beachtung schenkt ihnen kaum jemand. Stattdessen feiert man mit „Hey“-Chören Songs wie Nancy the Tavern Wench, Over the Seas und Set Sail and Conquer. Den Höhepunkt bildet zweifelsohne des Albums Titeltrack Captain Morgans Revenge, der auch bei den Zuschauern auf beinahe euphorischen Anklang stößt. Abschließend drehen die vier noch einmal kräftig auf mit Wolves of the Sea, ebenfalls von der Leviathan-EP, begleitet von begeisterten Publikums-Chören.

Gegen 23:00 ist es dann soweit: Die sehnlichst erwartete Show von Grave Digger beginnt! So darf man also tatsächlich einmal erleben, dass eine einzelne Akustik-Gitarre Männerherzen höher schlagen lässt. Nach dem kurzen aber atmosphärischen Intro legen die Kult-Metaller auch gleich mit  dem Titelsong ihres aktuellen Albums los: Ballad of a Hangman. Sofort erkennt man den Unterschied zu den Vorbands. War dort der Scheinwerfer-Einsatz noch sehr spärlich gesät, so ertrinkt die Bühne nun in einem Lichtspiel erster Klasse. Und auch der Sound kann sich – im wahrsten Sinne des Wortes – hören lassen, was bei Support und Vorgruppe leider nicht so recht der Fall war.
Man merkt ganz genau, weswegen die Zuschauer sich heute Abend hier versammelt haben. Mit Beginn der Show leeren sich schlagartig die hinteren Bereiche (vor allem oben im ersten Stock hat man plötzlich Luft zum atmen – und wo wir gerade beim Thema sind: auch das Raucherzimmer bleibt für die folgenden rund Anderthalb Stunden nahezu unbetreten ... liebe Raucher, es geht doch) und man drängt sich nach vorne um wenigstens ein paar Zentimeter Bühne zu erblicken (glücklich sind jene Menschen über 1,80m). Das Publikum nimmt ab dem ersten Ton alles euphorisch auf und zeigt den Herren auf der Bühne, dass sie schlicht und einfach die Helden des Abends sind. Zwar versteht man nur Bruchstücke der Ansagen eben jener Herren, doch mal ehrlich, ein echter Fan muss nicht gesagt bekommen, wie die Songs heißen. Das Bier in der Hand, die Mähne geschüttelt werden himmelhoch jauchzend Songs wie Hell of Disillusion oder Witchhunter aufgesogen und mitgegröhlt, was das Zeug hält. Da stört es auch nicht, dass Chris Boltendahls Stimme zu Beginn noch etwas mager rüberkommt. Doch spätestens bei Silent Revolution hat er das gewohnte Niveau wieder erreicht. Der Schwerpunkt der Show liegt überraschenderweise nicht auf dem neuen Album, so werden auch viele Klassiker Klassiker wie The Last Supper oder Headbanging Man bedient. Meine persönlichen Favoriten an diesem Abend sind Valhalla und Excalibur, welches das euphorische Geschrei der Zuschauer noch einmal mehr zu steigern vermag (ja, das ist tatsächlich noch möglich, mich überrascht das auch). Sowohl die alten als auch die neuen Stücke werden gebührend gefeiert und so verwundert es einen nicht, dass die Zugabe-Rufe nicht aufhören wollen.

mica


 

19.01.2009

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