Konzertbericht

Matthau Mikojan / The Jade / Puppets on Strings

18. Oktober 2008

Fourrooms, Leipzig

Im Oktober 2008 machte sich ein weiterer Finne auf die deutschen Konzerthallen zu erobern. So verschlug es Matthau Mikojan im Rahmen seiner „Schraubelocker“-Tour am 18.10.2008 nach Leipzig.

Nach der nachmittäglichen Autogrammstunde im „X-tra-x“-Shop in der Innenstadt mit Matthau Mikojan und Band sowie The Jade, zu der alle eine geschlagene Dreiviertelstunde zu spät kamen, fanden wir uns gegen Abend vorm Fourrooms ein. Da 20:00 Uhr das Konzert losgehen sollte, rechneten wir um Sieben mit dem Einlass. Leider tat sich in dieser Hinsicht überhaupt nichts. Die Fans wurden langsam ungeduldig. Kurz nach halb Neun kam dann endlich die Erlösung und die Türen zum Fourrooms öffneten sich. Drin angekommen, staunten wir nicht schlecht. Der von uns erwartete Club entpuppte sich viel mehr als Bar mit einer gemütlichen Sitzecke. In einer Art weiterem Raum sollte das Konzert stattfinden. Eine Bühne gab es nicht. Es war viel mehr ein Podest in einer kleinen Ecke. An sich eine sehr schöne Sache, vor allem auf Grund der Nähe zu den Fans. Nur für die Fotografen denkbar ungünstig, weil es keinen Fotograben gab und man notgedrungen über die Köpfe des Publikums hinweg fotografieren musste.

Etwa 21:30 Uhr stand schließlich die erste Vorband Puppets On Strings aus Leipzig auf der Bühne, die einige ihrer eigenen Songs aber auch Cover wie z.B. Madonnas „Frozen“ spielte. Leider waren die Instrumente viel zu laut, die Mikrofone dafür zu leise eingestellt. Dadurch hörte man Sänger Marc und Sängerin Stefanie nur sehr undeutlich. Selbst bei den Ansagen zwischen den Songs verstand man die beiden nur schwer. Rein musikalisch gesehen, kam die Band mit ihrem rockigen und teilweise sehr basslastigen Sound aber gut beim Publikum an. Nach ca. vierzig Minuten war ihr Auftritt beendet.

Gegen 22:30 Uhr rockte nun die zweite Vorband The Jade gleich ordentlich los. Sänger Wille Rosen begrüßte nach dem ersten Song das Publikum und schon ging es weiter. Lieder wie „It’s A Sin“ oder „Roses Are Burning“ haben den Fans gefallen. Leider bot die Bühne nicht genügend Platz, vor allem Bassist Jann fehlte es manchmal an Bewegungsfreiheit. The Jade machten das Beste daraus und zeigten mit jedem Titel, was sie können. Besonders erwähnenswert war sicherlich Drummerin Sirpa, die ihre Sache echt gut machte. Eine Frau am Schlagzeug ist schließlich eher eine Seltenheit. Die Finnen begeisterten alle. „Are you ready to rock?“ fragte Wille das Publikum und die fast ausschließlich weiblichen Zuhörer rasteten förmlich aus. Wer sich bisher noch zurückgehalten hatte, wurde spätestens von „Drowning“ mitgerissen. Dieser Song besitzt Ohrwurmqualitäten. Nach drei weiteren Titeln und insgesamt etwa fünfundvierzig Minuten Spielzeit verabschiedeten sich The Jade von den Fans.

Ohne ein Intro betrat nun gegen 23:40 Uhr Matthau Mikojan mit seiner Band die Bühne. Sie begannen das Konzert mit „Ditch“, doch leider streikte die Technik und aus Matthaus Mikrofon kamen kaum Töne heraus. Ein „What the hell?“ und ein paar Einstellungen später, ging es erneut los. Diesmal funktionierte alles und die Fans waren von Anfang an begeistert. Als Nächstes hörten wir „From My Mouth To Me And To You“ und das Guns’n’Roses-Cover „Mr.Brownstone“. Matthau erzählte, dass er 2009 ein neues Album herausbringen will und sich eine Tour anschließen wird, die ihn auch wieder nach Deutschland führt. Der nächste Song nannte sich vermutlich „Chasing Ghosts“ und könnte auf dieser besagten CD zu finden sein. Das Mikro schien nun erneut zu streiken. Matthau, Simo und Teemu klimperten inzwischen ein bisschen herum, dann folgten „Stiletto Heels“ sowie Bloodpits „One More Time“ und alle waren völlig aus dem Häuschen. Nun riss Matthau auch noch eine Saite an seiner Gitarre und sie wurde ausgetauscht. „Wir spielen heute nicht nach Setlist, sondern das, was mir gerade einfällt.“ berichtete er zwischenzeitlich und fragte die Fans, was sie hören wollen. Leider fiel diesen nicht wirklich etwas ein. Er stellte noch seine Band vor, dann spielten sie „April Song“, den Matthau mit Textzeilen wie „I’m openly gay“ ein wenig abänderte. Ein paar schon sehr stark angetrunkene Mädels nervten das restliche Publikum immer wieder mit ihren „Schatzi“-Rufen, die wohl vielmehr Drummer Simo als Herrn Mikojan galten. Netterweise bekamen sie von den restlichen Fans immer ein „Schnauze“ zurück, was wir amüsiert mit anhörten. Nach einem gelungenen „Sweet Sixteen“-Cover, folgte „Too Fortunate To Cry“, ein Song über das Leben auf Tour wie Matthau informierte. Als Nächstes spielten sie „Bring You Back“ und mittlerweile hatten sich sogar The Jade mit unter das Publikum gemischt. Ein paar neue Songs und etwas Geklimper später, wurde mit „Welcome And Goodbye“ noch einmal richtig abgerockt. Die drei Finnen hatten unheimlich was drauf und boten den Fans wirklich eine tolle Show. „You wanna do it with me?“ fragte Matthau Drummer Simo auf einmal grinsend, dann ging es mit noch mehr Gitarrenriffs und Songs wie „Born A Whore“ (ebenfalls Bloodpit) weiter. Auf Wunsch des Publikums folgte „Born To Be Wild“, allerdings auf Finnisch, dann Roy Orbisons „You Got It“ und „Then She Cried“. Als krönenden Abschluss holte Herr Mikojan noch The Jade auf die Bühne, die ihn nun unterstützten. Er setzte sich ans Schlagzeug und Simo sowie Wille Rosen sangen mit Begleitung der anderen „Wicked Game“. Nachdem alle die Bühne verlassen hatten, begann das Publikum unter Anleitung von Jann (The Jade) mit den „We want more“-Rufen. Es dauerte nicht lange, da kehrten Matthau und seine Jungs zurück. Er hatte die Akkustikgitarre umgeschnallt, pfiff fröhlich ins Mikro und es erklang „Patience“ von Guns’n’Roses. Jann beteiligte sich ebenfalls noch etwas am musikalischen Geschehen auf der Bühne. „This is turning into a jam session.“ freute sich Matthau. Es war das letzte Konzert, da können sie das schon einmal machen, dachten sie sich. Nach einem weiteren Song war halb Zwei aber endgültig Schluss. Die Fans verließen begeistert und glücklich das „Fourrooms“.

Hatte ich mich anfangs noch über die Bezeichnung „Schraubelocker“-Tour gewundert und amüsiert, so ist mir klar geworden, dass es keine perfektere Umschreibung als diese für ein Konzert dieser Art gibt, aber in einem sehr positiven Sinne. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich eine Show von Matthau Mikojan definitiv nicht entgehen lassen.

koeh

18.10.2008

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