Konzertbericht

Paganfest: Finntroll / Eluveitie / Dornenreich / Arkona / Varg

Leipzig, Hellraiser
05. März 2010
Einlass 18:00, Beginn 19:00

5 Mann, rot-schwarz bemalt, entern die Bühne: Varg beginnen pünktlich um 19:00 Uhr. Viking Metal aus Berlin mit ihrem neuen Album Blutaar, welches sie nicht nur in Form des Titeltracks präsentieren, mit einem Hinweis des Sängers Freki, man habe es satt, ständig zu betonen, sie seien unpolitisch.
Das Publikum ist von Anfang an wahnsinnig gut mit dabei, bei einer Eröffnungsband ist das indes überraschend, doch wahrlich gern gesehen. Die Zuschauer freuen sich vor allem über solche Publikumsnähe, wie den Sprung über den Photograben und auf die Absperrung sowie den abschließenden Hinweis auf den Merchandise-Stand, und die damit verbundene Möglichkeit, „gemeinsam ein Bier [zu] trinken.“
Den gelungenen Ausklang bildet Wolfszeit, des Sängers Lieblingslied.

Eine 4-köpfige Band in dicker Fellausrüstung betritt die Bühne. Brunftgeschrei ertönt und, kaum zu glauben, der gutturale Drahtseilakt entspringt der Kehle einer zierlichen Blondine. Arkona hinterlassen allein dadurch schon bleibenden Eindruck. Doch Sängerin Mascha kann mehr. Quickfidel hüpft sie über die Bühne wie ein junges Reh, wechselt dabei von Growls zu Screams zu klarem hohen Gesang. Die Russen liefern einen partytauglichen Mix aus Pagan und Folkmetal, der sehr gut zum heutigen Headliner passt. Das denken wohl auch die Zuhörer, denn die gehen faktisch mal voll ab; besonders die Aufforderung „Junp, jump jump!“ wird gerne beherzt.
Das halbstündige Set endet mit ausgelassener Stimmung und einem fröhlicheren Moshpit gegen zehn nach acht.

Nach kurzem Soundcheck geht es gleich mit dem Duo Dornenreich weiter. Sie beginnen mit gedämpftem blauen Licht, Akustikgitarre und Violine: ein atemberaubend atmosphärischer Einstieg!
Danach folgt die Jagd, in der Jochen Stock auch seine außergewöhnliche Sangesart präsentieren kann (und einen bis dato gut versteckten Schlagzeuger). Freilich kann man keinen Vergleich zwischen dem zuvor gebotenen Programm und den Österreichern herstellen, dafür fallen sie stilistisch zu sehr aus dem Konzept, doch das Publikum zollt auch den nahezu klassisch anmutenden Klängen Respekt. Während die Drums hämmern, der Gesang mal von akustischer, mal von elektrischer Gitarre begleitet wird, scheint Geiger Thomas Riesner eine ganz besondere Beziehung zu seiner Violine zu haben: Das selige Lächeln scheint keine Sekunde aus seinen Mundwinkeln zu verschwinden. Der Hexe Flammend Blick kann die geneigten Hörer wahrhaftig in seinen Bann ziehen, und nachdem Wer hat Angst vor Einsamkeit? verklungen ist, wollen die Zuhörer mehr! Die Show endet gegen 21:10.

Eluveitie steigen nur wenig später gleich mit viel Bombast und Kingdom Come Undone ein. Da doch gerade mal zwei Wochen vorher das neue Album der Schweizer erschienen ist, Everything Remains (as it never was), bleibt der Opener nicht das einzige Lied von dieser: es folgt gleich im Anschluss Thousendfold. Die Dame, die das aktuelle CD-Cover kürt, heißt im Übrigen Jessie – so tönt es fast schon im Plauderton von der Bühne – und man widmet ihr mit Anagantios einen eigenen Song. In voller Farbenpracht und mit ausgewogenem Klangteppich hüpfen, springen, posen und präsentieren sich die Helvetier von ihrer vermeintlich besten Seite, das Publikum locker in ihren Bann ziehend. Und während neben Frontgrowler Christian Glanzmann auch Anna Murphy trotz Stimmverlustes zum Mikro greift, wird in den ersten Reihen des Auditoriums geschunkelt, gehüpft und neben Armen auch Trinkhörner gereckt. Inis Mona und (Do)minion werden genauso geboten wie das ein oder andere Instrumental.
Ein Manko gibt es aber doch: die Flöten hört man nur, wenn man ganz genau hinhört, doch erscheinen sie zuweilen etwas matschig.
Eine halbe Stunde vor Ende ihres Auftrittes ertönen bereits die ersten Zugaberufe, und mit Tegernakô beenden Eluveitie bejubelt ihren Auftritt.

Zwei Minuten vor 11, die Vorfreude auf den Headliner des Abend kann kaum noch gesteigert werden...
Das Licht geht aus und fünf Gestalten betreten die Bühne, die nackte Brust sowie Gesicht mit Wurzeln (oder so etwas in der Art) bemalt. Finntroll eröffnen mit Blodmarsch, die Menge tobt von der ersten Sekunde an (an dieser Stelle ein Lob an die Security! Die haben ihre Sache wirklich gut gemacht), es folgt Den Frusna Munnet, so wie der Opener vom frisch veröffentlichten Silberling Nifelvind. Am Anfang vorwiegend in grünes und blaues Licht getaucht machen die Finnen ihre Sache verdammt gut. Nach einem kurzen Sing-along a lá „Ai-ai-ai“ genehmigen sich Musiker sowie Zuhörer gerne mal ein Schlückchen, auf der Bühne aus Flaschen, davor aus Hörnern. Trollhammeren schlägt voll durch, Nattfödd kommt nicht nur bei eingefleischten Fans gut an, und scheinbar hat das Auditorium nur auf Lieder der Marke Solsagan gewartet. Und wenn auch der Zuschauer Manieren mit steigendem Alkoholpegel rapide abnehmen, so steigert sich die Stimmung ins schier Unersättliche. 10 vor 12 und die Zugaberufe werden immer lauter.

Fazit: Das Paganfest in dieser Besetzung ist ein abgerundeter Abend gewesen, mit fünf guten Bands, aus deren stilistischem Einheitsbild eigentlich nur Dornenreich ein wenig herausgefallen sind. Dennoch eine gelungene Mischung.

mica

 

05.03.2010

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