Konzertbericht

Matthau Mikojan / Winterspring / Pub‘n’Steel

Leipzig, Foorrooms
12. März 2010

Nahezu pünktlich legten gegen 21:05 Uhr Pub’n’Steel, welche extra für die finnische Nacht Kajal aufgetragen hatten, los und im wahrsten Sinne des Wortes eine flotte Sohle aufs Parkett. Mit einer herrlich tanzbaren, swingenden Mischung aus Punk, Rock und Ska zog das Quartett das Leipziger Publikum sofort auf seine Seite und überzeugte mit Titeln wie Rock’n’ Roll Destillat oder Konsum instrumental sowie gesanglich auf der ganzen Linie. Frontmann Markus entpuppte sich nicht nur als echter Entertainer, sondern glänzte auch durch seine Finnischkenntnisse: „Kippis!“ (Anm. d. Red.: fin. Prost) Mit Zeit zurück, Rittlings auf dem Ohrensessel oder dem letzten Song Der Tanz auf dem Samowar sorgten Markus, Martin, Tina und Tim dafür, dass die fantastische Stimmung nicht abriss und verabschiedeten sich schließlich nach einer guten halben Stunde von der Bühne.

Gegen 21:50 Uhr ging es mit Winterspring aus Dessau weiter. Die anfänglichen technischen Probleme, welche laut Sänger Rain bei jedem ihrer Konzerte auftraten, waren schnell behoben und der Weg frei für Songs wie Catch Me, Destiny, Only A Word oder Alone. Mit einer ausgewogenen Mischung aus treibenden Düsterrocknummern und Balladen hatte die Band das Publikum fest im Griff und heizte diesem ordentlich ein. Es war jedoch nicht nur der einzigartige, fesselnde Sound, der die Damenwelt jetzt noch näher zur Bühne zog. Frontmann Rain ließ hier und da den einen oder anderen schmachtenden Blick aufkommen und Mädchenherzen höher schlagen. Winterspring konnten mit Stücken wie Revive Me oder I Always Die For You die Bombenstimmung, welche im Fourrooms herrschte, aufrecht erhalten. Großen Respekt sowie Applaus für diese hatten sich Hanjo, Dee Kay und Rain Dusky an dem Abend mehr als nur verdient. Bravo!

Ein wenig Wartezeit später war es dann endlich soweit und Matthau Mikojan rockten die Bühne mit From My Mouth To Me And To You, Ditch und Wise Men Don’t Cry. Das Fourrooms brodelte und befand sich kurz vorm Überkochen. Das Billy Idol-Cover Don’t Need A Gun, Countrymusic in Form von Stiletto Heels oder Überflieger wie Mania For Life und Gypsy Eye sorgten dafür, dass dies auch so blieb. Selbst kleine Texthänger seitens Matthau Mikojan höchstpersönlich wie bei A Girl On Her Own taten der Rock’n’Roll-Megaparty keinen Abbruch. Während „Schatzi“ Simo Stenman nicht nur sein Können an den Drums, sondern auch als Showman und Bandclown unter Beweis stellte, entpuppte sich Janne Sundvall sofort als Gute Laune-Faktor und perfekter Ersatz für Teemu Broman, welcher aufgrund eines Burnouts die Band verlassen hatte. Zum Scherzen war man trotz alledem aufgelegt. So feuerte Herr Mikojan zwischendurch ordentlich das Publikum an, um nach lautem Kreischen, welches durchaus hätte ein marodes Gebäude zum Einsturz bringen können, festzustellen, dass er nun taub sei und nicht mehr spielen könnte. Zur Freude aller ging die Show jedoch mit dem Guns’n’Roses-Cover Mr. Brownstone sowie Bloodpits’ Born A Whore weiter. An Zigaretten mangelte es auf der Bühne nicht, dank einiger Fans, und so sorgte nicht nur das scheinbar aufgehobene Rauchverbot langsam dafür, dass die Luft vor der Bühne dünn und es im Fourrooms unerträglich heiß wurde. Die Hüllen fielen, natürlich nur aufgrund der Hitze. Ein Hoch auf die Freizügigkeit! Doch das haute selbst den stärksten Matthau um. Zum Glück mussten nur ein Tisch und wenige Bierflaschen daran glauben, Herr Mikojan blieb unbeschadet und der letzte Song wurde zu Ende gespielt. Nach einer kurzen Quälerei durch die Massen in den Backstagebereich, welche von tosendem Applaus begleitet wurde, manövrierten sich die Finnen zurück auf die Bühne und direkt in die Zugaben. Mit Too Fortunate To Cry, Then She Cried und Mama Kin fand schließlich auch dieses Konzert sein Ende - der Abend und die Party höchstwahrscheinlich aber noch lange nicht…

koeh (+Red.)

 

12.03.2010

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