Konzertbericht

Poets of the Fall / Kärtsy

23. Mai 2010
Berlin, K17 

Die Hauptstadt steckt ja bekanntlich voller Clubs, die man kaum alle kennen kann. So verschlug es uns also am Pfingstsonntag dieses Jahres ein weiteres Mal nach Berlin und damit ein weiteres Mal in einen Club, in den wir bisher noch keinen Fuß hatten setzen können. Schade eigentlich, denn das K17 ist gut erreichbar, größer als man denkt und vor allem bietet es ein eigenes, sehr gutes Ambiente. Im Hof wurde an diesem Abend gegrillt, drinnen spielten die Bands und in der Bar, die sich direkt an den eigentlichen Konzertsaal anschließt, hängt eine Leinwand direkt über der Tür, sodass man auch dann nichts verpasst, wenn man sich gerade etwas zu Trinken holt. Allein das hat mich schon vom K17 überzeugt und so war die Tatsache, dass der Boden der Bar leicht vibrierte, wenn draußen die Straßenbahn vorbei fuhr, ein amüsantes Extra, mit dem man nicht gerechnet hat.

Angekündigt waren für diesen Abend Poets of the Fall, Kärtsy und Popcorn Drama. Letztere spielten dann allerdings doch nicht, worüber sich aber niemand beklagte, war doch das Gros der Leute wegen Poets of the Fall gekommen. Deren Album ist in Finnland bereits veröffentlich, und das überaus erfolgreich – in Deutschland muss man sich dann allerdings doch noch bis Herbst gedulden. Das Konzert in Berlin war also eine optimale Gelegenheit, bereits vorab einen Eindruck von Twilight Theater zu gewinnen – und vor allem, sich live von der Band überzeugen zu lassen.

Doch zuvor spielten sich Kärtsy gut eine Stunde lang die Finger wund. Kärtsy Hatakkas neue Band konnte live durchaus überzeugen und Interesse am Album wecken, das voraussichtlich im August oder September erscheinen soll und den Titel Duty Freedom tragen wird. Auf dem Konzert derweil hörte man hauptsächlich Cover wie Open Your Eyes, Songs von Bronsky Beat, The Doors und den Foo Fighters. Schnell stellte sich heraus, dass man es hier mit absoluten Entertainern zu tun hatte, und so ließ sich das Publikum nicht lange bitten. Es wurde fröhlich mitgeklatscht und –gesprungen. Licht und Ton wurden im Laufe des Auftritts immer besser, und auch die Ansagen kamen gut an: „Dankeschön. Wie geht’s?“ oder „Okay. Let’s do some rock. Real rock!“ So bewegt man die Leute zum Mitmachen. Natürlich kamen auch der enge Publikumskontakt und der gewaltige Bewegungsdrang des Frontmannes sehr gut an: Stellenweise hätte man auch meinen können, einem Gummiball zuzusehen.
Die Songs waren sehr gut abgestimmt und ausgewogen, und so boten Kärtsy ein wirklich gutes Programm mit jeder Menge Krachern. Wer eine erste Eigenkomposition hören möchte, dem sei an dieser Stelle Running away empfohlen.

In der folgenden Umbaupause bereits zeigte sich, für wen die etwa 150 Besucher heute aber wirklich gekommen waren: Wann immer sich auf der Bühne etwas bewegte, brach das Publikum in frenetischen Jubel aus. Der Club war inzwischen sehr gut gefüllt, aber ohne zu großes Gedränge, sodass das allgemeine Klima einfach hervorragend war.
Es dauerte allerdings noch fast eine Stunde, bis die Gäste endlich bekamen, was sie wollten.

Mit ihrer aktuellen Single Dreaming wide awake stiegen Poets of the Fall gleich voll ein und zogen damit die Anwesenden vom ersten bis zum letzten Song in ihren Bann.
Hatte ich Licht und Klang zuvor schon für sehr gut befunden, musste ich meine Einschätzung jetzt noch einmal revidieren: Im Vergleich zur Hauptband des Abends hatten Kärtsy fast ohne alles gespielt. Dasselbe galt dann aber nicht nur für die technische Seite, sondern auch für die geballte Leidenschaft auf der Bühne.
„You guys want us to play you a song?“ – Natürlich wollte man das, und so gaben beide Seiten alles, um den Abend unvergesslich zu machen. Markos Stimme war live noch intensiver als auf Platte. Und auch musikalisch muss man sagen, boten sie ein Mehr an Härte, mit dem ich so nicht gerechnet hatte.
Auf Diamonds for tears folgte ein Sing-along, und darauf War, das die zweite Single sein wird, in dem die elektrische gegen eine Akustikgitarre ausgetauscht wurde. Die Interaktion zwischen Musikern und Publikum verlief so locker und positiv, wie ich es selten erlebt habe, und auch bei Songs wie 15 Min Flame und Locking up the sun gab es kein Halten mehr.
Kurz vor Mitternacht verabschiedete sich die Band, doch sie hatte ihre Instrumente noch nicht ganz abgelegt, als schon frenetische Zugabe-Rufe und Klatschen dagegen protestierten. So gab es dann also zum Abschluss noch einmal Carnival of Rust und nachdem Marko noch einmal versichert hatte, dass dieser Abend wirklich großartig gewesen sei, ging das Konzert dann doch, Punkt Mitternacht, zu Ende.

Zusammenfassend sei gesagt, dass das K17 eine hervorragende Wahl war, Kärtsy sich als durchaus vielversprechend herausgestellt haben, und Poets of the Fall live einfach ein Erlebnis sind, das man mal gemacht haben muss. So bald wird dieses Konzert also zumindest bei mir nicht in Vergessenheit geraten.



Ein Interview mit Poets of the Fall –Sänger Marko Saaresto, das wir vor dem Auftritt in Berlin führen konnten, findet ihr ebenfalls in dieser Ausgabe von schMuRzi.

apae

 

23.05.2010

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