Alice Cooper - 42 Jahre Musikgeschichte, to be continued

Alice Cooper live 20.10.2011

 

“Without Alice Cooper, there might never have been the NY Dolls, KISS, Marilyn Manson, Nine Inch Nails, Motley Crue, Slipknot or Rob Zombie ... maybe not even David Bowie, or at least not Ziggy Stardust. The iconic hard rocker, who literally invented the concept of the rock concert as theatre (…)”[1]

„Ohne Alice Cooper hätte es die New York Dolls, KISS, Marilyn Manson, Nine Inch Nails, Mötley Crüe, Slipknot oder Rob Zombie vielleicht nie gegeben … vielleicht noch nicht einmal David Bowie, oder zumindest keinen Ziggy Stardust. Die Hardrockikone, die das Konzept des Rockkonzertes als Theater im sprichwörtlichen Sinne erfunden hat (…).“

 

Bei fast jedem anderen könnte diese Ankündigung als eine grandiose Selbstüberschätzung gewertet werden – nur nicht in diesem Falle. In 42 Jahren Musikkarriere hat Alice Cooper Grenzen ausgereizt, überschritten, neu gesetzt und zugleich auch durch außermusikalisches Engagement für Aufmerksamkeit gesorgt. Er war prägend für mehr als eine Generation Musiker und hat nicht nur durch seine Bühnenshows schon längst personellen Kultstatus erreicht. Zudem hatte er einige Gastrollen in TV- und Kinofilmen sowie in der Werbung. Nicht umsonst also wurde ihm im Dezember 2003 ein Stern auf dem Walk of Fame verliehen und wurde er im März dieses Jahres in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Musikalisch vielseitig und durchaus zu Experimenten aufgelegt, bot und bietet er immer wieder etwas Neues. Die Texte formen zumeist Geschichten, immer auch durchsetzt von mehr oder weniger deutlichem (moralischen) Wink, und gern auch Welt-, Zeit- und Selbstironie, gespiegelt und verstärkt in düsterem oder auch makabren Humor.

Mit bislang 26 Studioalben, 47 Singles, diversen Livealben, Compilations und allem, was dazu gehört, zählt Alice Cooper nicht nur zu den langlebigsten, sondern auch erfolgreichsten Musikern der Rockgeschichte. Hinzu kommen Präsenz in Film & Fernsehen, die von ihm gegründete Solid Rock Foundation und zwei Buchveröffentlichungen (von denen eine inzwischen kaum noch bezahlbar ist).

All das knapp zusammenzufassen, ist kaum möglich, und so wollen wir vor allem der Musik folgen – mit gelegentlichen Abstechern auf die Nebenpfade einer langen Karriere…

 

Swing Low, Sweet Cheerio

The Earwigs – zu Deutsch: die Ohrwürmer – hieß die erste Band, die Vincent Damon Furnier (so Alice Coopers bürgerlicher Name) im Jahre 1964 gründete. Nach zwei Umbenennungen (The Spiders, 1965 und The Nazz, 1967) wurde im Jahre 1968 die Band Alice Cooper daraus. Aus Detroit (Arizona) führte der Weg zunächst nach Kalifornien. Ein Auftritt im Whiskey a Go-Go in Los Angeles führte hier zur Begegnung mit Frank Zappa und brachte die bis dato eher lokal bekannten Musiker zu dessen Label Straight Records und zur Veröffentlichung der ersten beiden Alben – Pretties for You (1969) und Easy Action (1970). Während Pretties for You noch sehr vom Beatles-Sound beeinflusst ist – kein Wunder, spielte man doch zunächst Beatles-Songs, bevor eigene Stücke entstanden – geht Easy Action bereits in Richtung Garage und entwickelt erste Trademarks.
Beide Alben waren allerdings nicht erfolgreich genug, um die Zusammenarbeit länger aufrecht zu erhalten, und so folgte die Rückkehr aus Kalifornien nach Detroit, wo Bob Ezrin auf die Gruppe aufmerksam wurde und sie unter Vertrag nahm.

 

Vicious Rumors – Teil 1: Wie kommt man eigentlich an einen Plattenvertrag?
Angeblich fanden Alice Cooper heraus, wo Frank Zappa lebte, brachten ihre Instrumente auf sein Grundstück und fingen einfach an, zu spielen. Als dieser wutentbrannt nach Draußen kam, soll Cooper selbst ihm gesagt haben, dass sie so lange weiterspielen würden, bis Zappa ihnen entweder einen Plattenvertrag geben oder die Polizei rufen würde. Wie bekannt, entschied er sich für ersteres.[2]

 

Caught in a Dream

Das 1971 erschienene Love It to Death (1971) wurde zum internationalen Erfolg und erreichte in den USA Platin-Status. Auch in Großbritannien gelangt das Album nebst der Single I’m Eighteen in die Top 20. Die Bühnenshows wurden um Schlangen, Spinnen, Kunstblut und eine Guillotine erweitert – und was heute teils zum Standard einer guten Show gehört, erhitzte in den 70er Jahren die Gemüter. Warnungen vor und Beschränkungen der Konzerte auf ein Publikum jenseits der 18 Jahre steigerten den Erfolg und so spielte man zum ersten Höhepunkt der musikalischen Karriere ausverkaufte Tourneen. Es folgten Killer (ebenfalls 1971), School’s Out (1972)und Billion Dollar Babies (1973), die inklusive ihrer acht Singleauskopplungen aus der Band einer der größten und bedeutendsten ihrer Zeit machten.

Ebenfalls 1973 erschien Muscle of Love, das letzte Album der Band Alice Cooper, die sich im Folgejahr auflöste. Auf Muscle of Love findet sich unter anderem Man With The Golden Gun, das für den gleichnamigen Film „James Bond: The Man with the Golden Gun“ gedacht war, aber – wohl, weil die Band zu kontrovers war – zugunsten der Sängerin Lulu nicht als Titelmelodie genommen wurde.

 

Von Hexen und Hühnern: Vicious Rumors, Teil 2
Von den vielen sich ungehemmt rankenden Gerüchten sollen an dieser Stelle nur zwei weitere herausgegriffen werden: Der Bandname „Alice Cooper“ und der „Huhn-Vorfall“.
Der Bandname, so heißt es, sei abgeleitet von einer gleichnamigen Frau, deren Leben im England des 17. Jahrhunderts – natürlich wegen Hexerei – auf dem Scheiterhaufen endete. Alice Cooper selbst äußerte, dass der Name zufällig gewählt wurde: eine spontane Idee, die durch ihre Mehrdeutigkeit gefiel und gut zum Stil der Band, sowohl Musik & Texte als auch die bereits theatralischen Bühnenshows betreffend, passte.
„The chicken incident“, wie ich die folgende Story gern nennen möchte, bezieht sich auf den Tod eines Huhns bei einem Open Air in den 70er Jahren: Ein Fan hatte ein lebendes Huhn mitgebracht und warf es während des Konzertes auf die Bühne. Cooper, der später betonte, sich nicht mit Farmtieren auszukennen, warf es in der Annahme, es flöge davon, in die Luft – was es allerdings nicht tat. Das Tier landete in der Zuschauermenge, wurde in Stücke gerissen und teilweise erneut auf die Bühne geworfen. Die dem folgenden Nachrichten behaupteten, Cooper habe dem Huhn den Kopf abgebissen und sein Blut getrunken – was den allgemein gebildeten Hardrockfan an die ähnlich gelagerte Story „Ozzy Osbourne und die Fledermaus“ erinnern mag.[3]

 

Welcome To My Nightmare – Von jetzt an Solo

Nach Auflösung der Band Alice Cooper änderte der 1948 geborene Furnier seinen Namen in Alice Cooper und begann seine bis heute andauernde Solokarriere.
Welcome to My Nightmare
(1975) wurde ein großer Erfolg – Platinstatus in den USA, Silber in Großbritannien, zweifach Platin in Kanada. Für The Black Widow konnte er die Horrorfilmlegende Vincent Price als Erzähler gewinnen und die Tour brachte so viel Theater auf die Bühne, wie das Album in die Köpfe seiner Hörer.
Die folgenden Alben blieben allerdings eher Randnotizen des musikalischen Werdegangs. Zwar erreichten Alice Cooper Goes to Hell (1976) und Flush the Fashion (1980) Gold- bzw. Platinstatus, aber an den vorigen Erfolgen ließ sich der übrige Output bis Mitte der 1980er Jahre nicht messen.

 

The World Needs Guts

Nach der Befreiung aus den Fängen des Alkohols erschien er 1886 mit Constrictor wieder auf der internationalen Bühne. Mit mittlerweile Kultstatus und der Single He’s Back (The Man Behind The Mask), die für Teil sechs der „Freitag der 13.“-Filmreihe als Titelsong Verwendung fand, schwang er sich wieder auf in altbekannte Höhen. Sowohl Constrictor als auch das folgende Raise Your Fist and Yell (1987) erreichten Goldstatus (Kanada) und brachten gemeinsam drei erfolgreiche Singles auf den Markt. Es folgte das zumindest in der Generation der schMuRzi-Redaktion bekannteste und zugleich kommerziell erfolgreichste Album Alice Coopers, Trash (1989), das dreimal Gold- (Schweiz, Kanada, Deutschland) und ebenso oft Platinstatus (USA, Kanada, Finnland) erreichte. Mit zahlreichen Gastmusikern und in Zusammenarbeit mit Desmond Child ging es geradewegs in die Top 10.
Hey Stoopid
konnte 1991 nahtlos an den Erfolg anknüpfen und lieferte mit dem Titeltrack, Love’s A Loaded Gun und Feed My Frankenstein drei Hitgaranten in die Charts. Es bekam Silber- (Großbritannien), Gold- (USA) und Platinstatus (Kanada).
Musikalisch war Alice Cooper vorerst im Hardrock angekommen.

 

Lost in America

Das nächste Album kam auch als Comic unters Volk, denn The Last Temptation (1994) wurde von Neil Gaiman und Michael Zulli bei Marvel veröffentlicht – ein Stück in drei Akten, basierend auf eben dem 1994er Album gleichen Titels. Es war zugleich eine zeitweilige Abkehr von Mainstream, zu dem der Hardrock sich inzwischen entwickelt hatte.
Diese Eigenständigkeit und Vielseitigkeit behielt Alice Cooper auch für die folgenden beiden Alben bei: Brutal Planet (2000) und Dragontown (2001) eint ein Konzept, das kurz gefasst werden kann als deutlich geäußerte Zeit- und Weltkritik. Musikalisch waren diese Alben härter und vor allem düsterer gestaltet als ihre Vorgänger, bis hin zu pessimistischen oder gar apokalyptischen Tendenzen.

 

Gaststar und Gastmusiker
Im Laufe seiner Karriere war Alice Cooper häufig in verschiedenen TV-Shows zu Gast, unter anderem bei The Muppets und – zu hören – The Simpsons. Verschiedene Rollen in kleineren, zumeist (Horror-)Produktionen und häufiges Erscheinen als er selbst ziehen sich durch die gesamte Zeit seiner musikalischen Laufbahn und ergänzen so die üblichen Livemitschnitte und (Band-)Dokus.[4] Ebenfalls empfehlenswert ist der Film „Wayne’s World“ aus dem Jahr 1992, der auch
Feed My Frankenstein für den Soundtrack nutzte.
Er ist als Gast zu hören bei Guns’n’Roses (
The Garden), Twisted Sister (Be Cruel to Your School) und Insane Clown Posse (Intro zu The Great Milenko) und sang die Rolle des Herodes auf der 1996er Gesamtaufnahme der Londoner Produktion von Jesus Christ Superstar.
Zuletzt trat er als Gastmusiker bei Tobias Sammet’s Avantasia in Erscheinung: Auf dem 2007 erschienenen Album „The Scarecrow“ inkarniert er den
Toy Master.
Auch in der Werbung war Alice Cooper hin und wieder vertreten, so unter anderem für Marriot Hotels und – in Deutschland eher bekannt – die Elektronikkette Saturn.

 

Man Of The Year

2003 erschien The Eyes of Alice Cooper, das sich wieder mehr dem Garagerock und Rock'n'Roll der früheren Alben annähert Auch Dirty Diamonds (2005) bietet viel Rock'n'Roll, was zwar keine neuerlichen Superhits einbrachte, aber die gewonnenen Fans treu bei Laune hielt.
Der beinahe zweijährigen Tour zu Dirty Diamonds folgte ein weiteres Studioalbum: Along Came A Spider (2008) dreht sich um einen als „die Spinne“ bezeichneten Serienkiller und war sein erfolgreichstes Album seit Hey Stoopid.  Der Veröffentlichung voran ging ein zehnminütiges Musikvideo, das ein Medley aus Vengeance Is Mine, (In Touch With Your) Feminine Side, und Killed By Love stellt.
Jetzt, 2011 schließlich, kam das 26. und bislang letzte Studioalbum auf den Markt: Welcome 2 My Nightmare greift die 1975 unter dem Titel Welcome to My Nightmare begonnene Geschichte um (Alb-)Träumer Steven wieder auf. Die Review dazu könnt ihr in dieser Ausgabe von schMuRzi lesen.

 

Me, Alice: Wissenswertes außerhalb der musikalischen Karriere

Literatur
Bereits 1976 erschien in Zusammenarbeit mit dem Autor und Journalisten Steven Gaines „Me, Alice (The Autobiography of Alice Cooper as Told to Steven Gaines)“, die erste Autobiografie eines Rockstars überhaupt. Die Auflage kam ausschließlich im Hardcover, war allerdings eine so kleine, dass das Buch heute einigen Wert besitzt – wenn es denn überhaupt gehandelt wird.
Seine zweite Buchveröffentlichung erfolgte im neuen Jahrtausend und trägt den schönen Titel „Golf Monster. A Rock’n’Roller’s Life and 12 Steps to becoming a Golf Addict“ (Deutsche Ausgabe: „Golf Monster: Mein Leben zwischen Golf und Rock’n’Roll”, 2008). Wie sich unschwer erraten lässt, ist Alice Cooper im normalen Leben ein leidenschaftlicher Golfer.

Radio
Er moderiert die Radiosendung „Nights with Alice Cooper“, die weltweit ausgestrahlt wird.

Gesellschaftliches Engagement
Er ist Vorsitzender der Solid Rock Foundation, die er 1995 zusammen mit seinem Freund Chuck Savale gründete und die ihre Aufgabe darin sieht, Jugendlichen eine Perspektive zu bieten. Gemeinsam mit lokalen Kirchen und Jugendorganisationen werden zum Beispiel Konzerte und andere Veranstaltungen ausgerichtet, die sich an Kinder und Jugendliche gleichermaßen richten. Auch Musikunterricht und Ähnliches wird angeboten. Für nähere Informationen schaut Ihr am besten auf die Homepage.

Privat
...hält sich Alice Cooper eher bedeckt. Er ist seit 1976 mit seiner Frau Sheryl verheiratet, mit der er drei Kinder hat.

Sonst noch was?
In Phoenix (Arizona) gehört ihm ein Restaurant namens „Cooperstown“.
Er ist bis heute regelmäßig auf Tour rund um den Globus.

 

…und jetzt?
Im Augenblick ist Alice Cooper auf No more Mr. Nice Guy Tour (den zugehörigen Konzertbericht findet ihr ebenfalls in dieser schMuRzi-Ausgabe) – mit dabei sind:
Chuck Garric, Orianthi, Tommy Henriksen, Steve Hunter und Glen Sobel.
Für Tourdaten (der Europateil der Tour ist bereits vorbei) schaut ihr am besten auf die Homepage.

 

Studioalben (historische Reihenfolge):

1969 Pretties for You
1970 Easy Action
1971 Love It to Death
1971 Killer
1972 School’s Out
1973 Billion Dollar Babies
1973 Muscle of Love
1975 Welcome to My Nightmare
1976 Alice Cooper Goes to Hell
1977 Lace and Whiskey
1978 From The Inside
1980 Flush the Fashion
1981 Special Forces
1982 Zipper Catches Skin
1983 DaDa
1986 Constrictor
1987 Raise Your Fist and Yell
1989 Trash
1991 Hey Stoopid
1994 The Last Temptation
2000 Brutal Planet
2001 Dragontown
2003 The Eyes of Alice Cooper
2005 Dirty Diamonds
2008 Along Came a Spider
2011 Welcome 2 My Nightmare

 

apae


[1] alicecooper.com - in Ankündigung zu “Along Came A Spider”.
[2]
Vgl. Internet Movie Database: imdb.com.
[3]
Vgl. imdb.com.
[4] Den umfangreichsten Überblick bietet imdb.com.

 

 

21.11.2011

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