Joch'n'Roll Festival 2007

31. August - 02. September 2007
Hameln

Nach etwa sechsstündiger Anfahrt kamen wir mehr oder weniger heil bereits am Donnerstag auf dem Festivalgelände an. Nicht, weil wir uns im Tag geirrt hatten, sondern, um nicht am Freitag schon um sechs Uhr morgens aufbrechen zu müssen, um hoffentlich noch pünktlich zu sein. So hatten wir also den Donnerstagnachmittag Zeit, uns die Hamelner Innenstadt anzusehen und gelegentlich besorgte Blicke zum Himmel zu werfen.
Bei 55 Bands an drei Tagen war es natürlich fast unmöglich, alles mitzubekommen – zumindest, wenn man länger als drei, vier Lieder bei einer Band verweilen wollte. So trafen wir anhand des Festivalguides bereits eine Vorauswahl der must-have-Bands und konnten die ganze Sache relativ entspannt angehen.

Die erste Band, die wir am Freitag sahen, waren Systemfehla, eine deutsche Punkrockband, auf der Zeltbühne, gefolgt von Choke ISP (ebenfalls Punk) draußen auf der Winniebühne. Ja, die Bühne wurde tatsächlich so genannt. Zur Erklärung: das Festival wurde organisiert zugunsten der Europäischen Kinderhilfe und so wurde am Sonntag auch Familien Einiges geboten. Doch zurück zur Musik:
Auf In case of fyr und Hatesquad folgten für uns And Still I Bleed, die unglaublich energisch auftraten und mit zwei Sängern für mächtig viel musikalischen Wirbel sorgten. Subconcious, deren Vocalisten wir am Vortag per Zufall kennen gelernt hatten, boten uns ein wunderbares Ziel für fotografische Attacken, zudem war ich von der Stimmlage wirklich überrascht (positiv, versteht sich). Mit Texten wie "wo ist die RAF wenn man sie braucht" konnten uns die Dödelhaie wiederum nicht gerade begeistern, eher im Gegenteil. Dass Girlschool ausfallen würden, erfuhren wir am selben Tag, und so verbrachten wir unsere Zeit damit, das Gelände auszukundschaften und auf Cataract zu warten, die von der Winniebühne auf die Mainstage gewechselt hatten. Spätestens bei Volbeat schließlich zeigten sich die Fans von ihrer wildesten Seite, indem einige versuchten, die Absperrung zu erklettern, was die Security allerdings zu verhindern wusste. Insgesamt blieben aber größere Rangeleien aus, oder zumindest haben wir nichts davon bemerkt. Der Headliner des Abends waren Sick of it all, die mich (im Gegensatz zu den zahlreichen Fans) allerdings nicht sehr begeisterten.

Der Samstag startete durch mit Old School Death Metal auf der Zeltbühne (A.M.E.S.), und im Anschluss Nikki Puppet, einer Heavy Rock Band mit Punkeinschlag. Den technikbedingten Wechsel auf die Mainstage quittierten sie mit einer "so schnell kann es gehen"-Einstellung und nicht nur der quietschpinke Bass vermochte es, meine Aufmerksamkeit zu fesseln. Unser nächstes Ziel waren die Melodic Metaller Fading Starlight, die in Reviews gern mit Nightwish verglichen werden. Diesen Vergleich können wir zwar nicht nachvollziehen, aber sie waren wirklich gut und zeigten eine gute Präsenz. Rough Silk, beschrieben als Thrash Metal mit Pianoparts, gelang es dann, unsere Aufmerksamkeit gänzlich auf sich zu lenken. Die großartige Stimme des Sängers und allgemein eine fesselnde Bühnenpräsenz entschädigten für die recht unauffälligen Pianoparts, die leider etwas zu leise waren. Dew Scented waren am fortgeschrittenen Nachmittag einfach ein Muss, während wir uns bei Raunchy etwas unsicher waren, was wir davon halten sollten – aber wie sollte es auch anders sein bei einer Band, die "irgendwo zwischen Slayer und Metallica" eingeordnet wird. Spätestens mit Legion of the Damned startete das Publikum dann wie erwartet wieder voll durch und es kam endgültig die typische Festivalatmosphäre auf. Auf der Zeltbühne erwartete uns darauf eine skurrile Mischung aus Pop, deutschem Schlager und Grindcore, und wer jetzt glaubt: das gibt es doch gar nicht – doch, das gibt es: Excrementory Grindfuckers beweisen es. Mercenary, die Elemente von Opeth, Nevermore, Fates Warning und Soilwork zu verbinden suchen, konnten uns nicht ganz überzeugen, und Hatesphere taten es ihnen gleich, wobei es bei letzteren ein allgemein eher geringes Interesse an der Musik an sich war, das uns veranlasste, noch einmal bei der Zeltbühne vorbei zu schauen, wo die V8Wankers ihre Fans um sich scharten und energiegeladenen "kick ass Rock" an den Mann/ die Frau brachten. Die Schröders als scheinbar das Punkrock-Highlight des Festivals sorgten mit Liedern wie Frösche weinen nicht durchaus für gute Laune, aber ein punkiges Heute hier, morgen Dort-Cover versetzte uns einen anhaltenden Kulturschock, den erst die Headliner dieses Tages vergessen machen konnten: Die Kings of Nuthin’ aus Minnesota lieferten rockigen Ska vom Feinsten. Schnell, wild, energisch, mitreißend und tanzbar zeigten sie, was es heißt, Punk und Rock’n’Roll partytauglich zusammenzubringen. Außerdem waren sie die einzige Band des Festivals mit einem "echten" Bass – und wozu braucht man einen E-Bass, wenn man das klassische Instrument in solcher Besetzung findet. Der Samstag war für uns definitiv der beste Tag des Festivals, aber wie sicher schon gesagt, kamen auch Punk und Hardcore Fans voll auf ihre Kosten.

Der Sonntag schließlich ließ es etwas ruhiger angehen. Einige der Besucher waren bereits abgereist, oder zumindest in Aufbruchstimmung und auch die Musikauswahl wurde etwas massentauglicher – immerhin war dieser Tag auch für die Kinder gedacht. Nach Augenblick spielten Kleemann, beides in die Deutschrock-Schiene einzuordnen, und im Anschluss daran zwei Coverbands, M1 und Skyliner. Letztere wurde uns als die Coverband schlechthin schmackhaft gemacht, während wir selbst die erstere bevorzugten.
Auf Ray Wilson und Chuck Leavell (Keyboarder der Stones) verzichteten wir dann allerdings, weil wir noch am gleichen Tag zurück nach Hause wollten. Die Abfahrt gegen 16 Uhr brachte uns zurück in heimische Gefilde und zwischen elf und zwölf Uhr in der Nacht konnten wir die angestrengten Augen und Ohren wieder auf Normalbetrieb umschalten.

apae

 

31.08.2007

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